Filmreviews · 08. Mai 2024
Die Rückkehr zur Rückkehr zum Planet der Affen
Meine frühesten Erinnerungen an die Planet-der-Affen-Filmreihe gehen zurück auf die späten 1980er-Jahre, als die Filme regelmäßig sonntags um die Weihnachtszeit im Sat.1-Nachmittagsprogramm liefen. Als Science-Fiction-Fan faszinierte mich dabei vor allem der Gedanke eines in sich geschlossenen Zyklus. Fangen wir aber doch mal von ganz vorne an, und ja, natürlich gilt auch hier einmal mehr eine klare Spoilerwarnung – bis einschließlich des letzten Films aus dem Jahr 2024!
1965 veröffentlichte der französische Schriftsteller Pierre Boulle den Roman La Planète des singes (Planet der Affen), in dem eine Gruppe Forscher den Planeten Soroa erforscht und auf eine Bevölkerung von humanoiden Affen trifft. Diese beherrschen die dort ansässigen Menschen und führen an ihnen soziale Experimente durch. Der Erzählung merkt man deutlich ihr Alter an, sie ist ansonsten aber immer noch eine interessante Abenteuer-Parabel, die sich außer der Prämisse deutlich von der Filmhandlung unterscheidet. Wer nicht lesen will, darf hören: Es gibt eine kurzweilige fünfstündige Lesung von Detlef Bierstedt, der deutschen Stimme von George Clooney.
Von allen Filmen mit Charlton Heston ist der erste Planet-der-Affen-Film (1968) derjenige, der mir am besten im Gedächtnis geblieben ist. Der Film nimmt die Prämisse des Buchs, ersetzt die meisten Namen der Forscher, lässt die Raumschiffbesatzung abstürzen und bietet neben dem tollen, experimentellen Score von Jerry Goldsmith auch für damalige Verhältnisse tolle Maskeneffekte. Beides wurde übrigens für die Oscars 1969 nominiert, und dem Maskenbildner John Chambers wurde von der Academy ein Ehrenpreis verliehen. Nutzte man früher im Film vor allem Masken, die das komplette Gesicht umschlossen und daher sehr starr waren (die Monster waren oft stumm), bestanden hier die Masken aus unterschiedlichen Teilen, die den Schauspielern mehr Spiel in den Affengesichtern erlaubten. Dabei ist ein Schauspieler in allen alten Filmen aus den 1970er-Jahren zu sehen: der Mime Roddy McDowall. Neben dem Affen Dr. Cornelius spielte er ab dem vierten Film auch Caesar, seinen eigenen Filmsohn. Seine Kollegin Kim Hunter ist als Dr. Zira immerhin in den ersten drei Filmen dabei.
Wir begleiten Heston als Astronaut Taylor, der mit zwei Kollegen aus dem Tiefschlaf geholt wird, als ihre Kapsel auf einem fremden Planeten abstürzt. Auf ihrer Suche nach Hilfe stoßen sie zuerst auf Menschen, die aber nicht sprechen können und eher wie wilde Tiere zu hausen scheinen. Unvermittelt werden sie dann von einer Gruppe auf Pferden reitender Affen gejagt und gefangen genommen. Taylor, der durch eine Verletzung zeitweise auch die Stimme verliert, landet in einer Forschungseinrichtung und muss an Verhaltensexperimenten teilnehmen, ähnlich der Buch-Vorlage. Am Ende entkommt er mithilfe der Affenforscher Dr. Cornelius und Dr. Zira und nimmt die stumme, einheimische Nova mit. Die Flucht endet in der verbotenen Zone, die kein Affe betreten darf, und hier endet der Film auch mit einem der großen Twists der Filmgeschichte: Taylor muss feststellen, dass er nicht auf irgendeinem fremden Planeten gestrandet ist, sondern auf der Erde der Zukunft. In der letzten Einstellung sinkt Taylor auf seine Knie und schlägt mit der geballten Faust auf den Sandstrand, als im Vordergrund die Umrisse einer abgebrochenen Freiheitsstatue sichtbar werden.
Da der Film mit geschätzten rund sechs Millionen US-Dollar Budget über 30 Millionen US-Dollar weltweit einspielte, war eine Fortsetzung schnell beschlossene Sache. Nach Franklin J. Schaffner bei Teil 1 nahm diesmal Ted Post auf dem Regiestuhl Platz. Das Budget wurde dabei halbiert, man konnte wohl viel vom ersten Teil recyclen. So holte man zwar Charlton Heston zurück, aber nur für eine Szene am Anfang und für das Finale der Geschichte. Stattdessen erleben wir in der ersten Hälfte des Films, wie der von James Franciscus gespielte Brent auf der Suche nach Taylor und der ersten Kapsel ebenfalls auf dem Planeten der Affen strandet und im Schnelldurchlauf auch wieder Ähnliches erlebt, was wir schon aus Teil 1 kennen. So macht sich dann auch Brent mit der von Taylor zurückgelassenen Nova in die verbotene Zone auf. Dort treffen sie auf eine Gemeinschaft – eine Art Weltuntergangssekte – von verstrahlten Menschen, die eine Atombombe anbeten. Dem nicht genug ist eine Armee der Affen Brent und Nova gefolgt. Es kommt zum großen Showdown und am Ende zur Vernichtung der Erde durch Zündung der Bombe. Mit seinen drei Millionen US-Dollar Budget und einem weltweiten Einspielergebnis von knapp 19 Millionen US-Dollar war es klar, dass Twentieth Century Fox mit dem Planet-der-Affen-Franchise weitermachen wollte. Doch wie? Der Planet war ja schließlich in die Luft gejagt worden!
So kam es zur Flucht vom Planeten der Affen und dem für mich schwächsten Teil der Reihe mit Logiklöchern, in denen ein Mount Everest bequem Platz fände. Man ließ die beiden Forscher Cornelius und Zira mit einem dritten Affen in einer Raumkapsel entkommen und ebenfalls durch die Zeit reisen, jedoch in die andere Richtung. So kamen die drei bereits ein Jahr nach dem letzten Film mit der Fortsetzung in die Kinos und damit in unsere (damalige) Zeit. Das sparte natürlich eine Menge an Kulissen und Budget ein, da man den Spieß quasi umdrehen konnte. Mit einem Budget von nur noch geschätzten zweieinhalb Millionen US-Dollar erreichte man immer noch 12 Millionen US-Dollar am weltweiten Box Office. Und Fox wollte weiter machen, also endete der Film offen damit, dass die Affen vom Militär zwar auf der Flucht getötet werden, Caesar, der Sohn von Zira und Cornelius, allerdings überlebt. Er kommt beim Zirkusdirektor Armando unter – letzterer gespielt von niemand geringerem als dem größten Star-Trek-Bösewicht aller Zeiten: Khan (bzw. Ricardo Montalban).
Gleich im darauffolgenden Jahr startete die Eroberung vom Planeten der Affen, in der ein paar Jahre nach der Handlung des dritten Films ein inzwischen erwachsener Caesar weiter unter der Obhut von Armando – mittlerweile ohne Zoo – lebt. Eine Seuche hat inzwischen alle Hunde und Katzen getötet und so haben die Menschen Affen zu ihren neuen Haustieren und Sklaven gemacht. In großen Erziehungszentren trainiert man sie für unterschiedliche Arbeiten. Nachdem Armando stirbt, landet auch Caesar dort. Er will sich mit dem Schicksal seiner Artgenossen aber nicht abfinden und zettelt eine Revolution an. Die Gesellschaft der Menschen fällt und Caesar flieht mit den Affen aus der großen Stadt. Mit einem Budget von unter zwei Millionen US-Dollar spielte der Film immerhin noch etwas mehr als neun Millionen US-Dollar ein. Mir hat er damals richtig gut gefallen, besonders die sehr eindringlichen Bilder des Aufstands. Für mich belegt er Platz zwei der alten Filme, direkt hinter dem ersten Streifen.
Ein weiteres Jahr später, wir sind schon im Jahr 1973, schloss sich der Kreis dann. In Die Schlacht um den Planet der Affen ging es um das Zusammenleben zwischen Affen und Menschen und auch den Konflikt unter den Affen selbst. Einiges davon und vom Vorgänger findet man auch in der späteren neuen Trilogie wieder. Am Ende stirbt Caesars Sohn durch die Hände von Gorilla-General Aldo. So entsteht das Machtverhältnis, das wir am Anfang des ersten Films sahen. Auch wenn der Film selbst wieder eine ordentliche Stufe schwächer war, imponierte mir damals, dass die Reihe damit wieder bei ihrem Ursprung angekommen war. 1,8 Millionen US-Dollar geschätztes Budget lieferte 8,8 Millionen US-Dollar Einspielergebnis weltweit. Solide, aber trotz großer Ankündigung, das abschließende Kapitel zu sein, wahrscheinlich etwas zu sehr unter den Erwartungen. So kam 1974 dann kein weiterer Film. Stattdessen brachte man die Affen direkt ins Fernsehen im Rahmen einer 14-teiligen TV-Serie. Die Geschichte orientierte sich grob am ersten Film. Zwei Astronauten strandeten auf dem Planeten der Affen. Auch diesmal kehrte Roddy McDowall ins Affenkostüm zurück, allerdings weder als Caesar noch als Cornelius, sondern als neuer Affe. Ich gebe zu, ich habe bei der Serie nur ein- bis zweimal reingezappt, als sie bei Sat.1 im Nachmittagsprogramm lief. Gefesselt hat sie mich nicht und außer ein paar verschollenen Fragmenten weiß ich davon nichts mehr.
Und dann wurde es mehr oder weniger still um neue Affen-Projekte. Die Reihe hatte sich aber bereits einen festen Platz in der Popkultur gesichert, sei es bei den Simpsons in Form eines Musical-Sketches oder bei Mel Brooks’ Spaceballs als Schlussgag, als die Bösewichte auf einem ganz bestimmten Planeten abstürzten und das von den Einheimischen kommentiert wird.
Es dauerte bis ins Jahr 2001, bis Tim Burton, seines Zeichens verquerer Filmemacher mit Hang zum Morbiden, die Reihe mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle wiederbelebte. Im Streifen, der auf einer Raumstation beginnt, trainiert Mark Wahlberg einen Affen, um eine Raumsonde zu steuern. Als sein trainierter Affe in einem astronomischen Phänomen verschwindet, muss Mark natürlich sofort zu Hilfe eilen und ihn zurückholen. Und so landet er unvermittelt auf dem Planeten der Affen. Mit der ursprünglichen Romanvorlage oder dem alten Heston-Film hat diese Reimagination natürlich nichts mehr zu tun. Dabei lesen sich die Credits eigentlich vielversprechend. Tim Burton auf dem Regiestuhl hatte in den 1990er-Jahren Batman mit Michael Keaton cool gemacht und erst 1999 Sleepy Hollow auf die große Leinwand gebracht. Mit dabei hatte er seinen Haus- und Hofkomponisten Danny Elfman – die Musik war sicher das Beste am Film. Auf der Besetzungsseite waren neben Mark Wahlberg noch ein ganzer Reigen an bekannten Gesichtern an Bord. Tim Roth mimte den Bösewicht, dazu kamen Helena Bonham Carter, Paul Giamatti, David Warner, Michael Clarke Duncan, Kris Kristofferson, Erick Avari und Model Estella Warren. Die Maskenbildner leisteten auch wieder eine sehr gute Arbeit, die Ausstattung sah mehr als solide aus. Die Story war jedoch so dünn und an den Haaren herbeigezogen, dass sogar der für mich schwächste alte Film Flucht vom Planet der Affen mit all seinen Logiklücken noch ein intellektueller Leckerbissen war. Einige Dialoge zogen die Fremdschamschraube bis zum Anschlag an. Achtbar ist vielleicht noch der Versuch, einen ähnlich drastischen Twist wie am Ende des ersten Films zu liefern, aber das, nun ja, klappte nicht. Am Ende ließ mich der Film eher verstört zurück.
Zehn weitere Jahre lag das Franchise im Bewegtbild erneut brach, bevor der Brite Rupert Wyatt auf dem Regiestuhl Platz nahm und der Geschichte unter dem Titel Rise of the Planet of the Apes ein umfangreiches Reboot verpasste. Dieser Film begann in unserer Zeit und handelte vom Versuch eines Wissenschaftlers, mit Hilfe eines Medikaments die Selbstheilungskräfte des Gehirns zu stimulieren und seinen an Alzheimer erkrankten Vater zu heilen. Er nahm mit Caesar einen Affenwaisen bei sich auf, der durch die Forschung an seiner Mutter hyperintelligent zur Welt kam. Caesar wächst in der Folge bei der Familie auf und lernt auch die Schattenseiten der menschlichen Gesellschaft kennen. Am Ende befreit er weitere intelligente Artgenossen aus dem Institut und zettelt eine Revolte an. Klar stand hier vor allem der Film Kampf um den Planet der Affen von 1972 Pate, doch wie die Geschichte erzählt und aufgebaut wird, ist sehr nachvollziehbar und geht ans Herz. Das Besondere dabei ist, dass die intelligenten Affen komplett am Computer entstanden und ihre Rollen von menschlichen Schauspielern per Performance Capturing aufgenommen wurden. Der Brite Andy Serkis, der sich durch seine Arbeit an der Figur Gollum in den Herr-der-Ringe-Filmen einen Namen gemacht hatte, schaffte es beeindruckend, der Figur Caesar Leben einzuhauchen. Besonders erwähnenswert ist auch, dass hier Motion Capturing außerhalb des bisher üblichen Studios an realen Schauplätzen genutzt wurde. Das führte zu deutlich realistischeren Interaktionen zwischen den CGI-Figuren und den realen Menschen am Set. Dafür kam ein neues Verfahren zum Einsatz, das die früheren, einfachen Marker durch infrarotstrahlende Marker ersetzte, um auch bei Tageslicht zu funktionieren.
Auch auf der menschlichen Seite wurde gut besetzt: James Franco, den man davor vor allem aus Sam Raimis Spiderman-Filmen als Harry Osborne kannte, übernahm die Rolle des Dr. Will Rodman. Seine Freundin Caroline (Freida Pinto) und besonders John Lithgow als Wills Vater Charles und seinen Kampf mit der Krankheit mochte ich. Insgesamt war der Film ein mehr als solider Start für eine neue Reihe. Leider habe ich ihn nicht im Kino gesehen, sondern erst im Homevideo für mich entdeckt.
Besonders bei diesem Film ist es wichtig, den Schluss abzuwarten. Hier wird der Grundstein für die folgenden Filme gelegt, denn das vermeintliche Heilmittel entpuppt sich als das Gegenteil. Der Stoff macht am Ende die Affen intelligent, hat aber auf die Menschen den gegenteiligen Effekt. Wir sehen im Abspann, wie sich eine Krankheit namens Simian Flu ausbreitet und die Grundlage für den Planeten der Affen legt. Der Film kostete 93 Millionen US-Dollar, spielte weltweit aber über 480 Millionen US-Dollar ein! Natürlich musste es weitergehen. Katastrophal ist für mich nur der misslungene deutsche Titel: Planet der Affen: Prevolution.
Spiele vom Planet der Affen
Ein Franchise wie Planet der Affen musste früher oder später auch seinen Weg auf unsere Computer und Konsolen finden. Das erste Game hätte 1983 auf dem Atari 2600 erscheinen sollen. Das Spiel ist jedoch nicht über den frühen Prototypen-Status hinaus gekommen, bis die Videogame-Blase platzte und Atari zur Pleite einen riesigen Stapel Spiele in der Wüste New Mexicos verscharrte. 2002 wurde das Atari-Spiel wiederentdeckt und 2003 unter dem Namen Revenge of the Apes doch noch veröffentlicht.
2001 erschien ein 3rd-Person-Action-Adventure von Ubisoft, passend kurz nach Veröffentlichung des Rebootfilms von Tim Burton. Die Entwicklung fand aber wohl parallel statt. So verbindet das Spiel Elemente aus dem Originalfilm von 1968 mit einigen Elementen aus dem Burton-Film in einem seltsamen Mix. Es beginnt mit dem Absturz der Kapsel, der Jagd und der Gefangennahme. Doch nach dem Ausbruch entspinnt sich eine eigene Story über Widerstand, Fraktionen und einer Schnitzeljagd nach Hinweisen. Das Artwork orientiert sich dabei viel am Burton-Film. Schaut man sich passende Let’s-Plays an, schauen aber die Steuerung und vor allem die Kämpfe sehr hakelig aus. Ob ein Remake oder zumindest Remaster hier Abhilfe schaffen könnte?
Im selben Jahr wurde auch ein 2D-Sidescroller für den Game Boy Advance veröffentlicht, in dem man den gestrandeten Astronauten durch unterschiedliche Jump-‘n’-Run-Level steuern konnte – ganz nett anzusehen, wenn auch Musik und Grafik nur noch peripher mit der Vorlage zu tun hatten.
2017 erschien dann zum dritten Film der neuen Filmreihe mit Planet of the Apes: Last Frontier eine Art interaktiver Spielfilm, der mit vielen Quicktime-Events daher kam. Dabei sieht die Grafik sehr ansehnlich aus und bildet gut den Filmlook ab. Die Story ist aber völlig unabhängig und fokussiert sich auf die Interaktion einer Gruppe Affen mit Bewohnern einer Farm. Dabei treffen wir Entscheidungen auf beiden Seiten.
2018 folgte noch ein eher technisch unausgewogenes VR-Spiel mit Crisis on the Planet of the Apes VR. Keines der Spiele ist dabei wirklich bei mir angekommen – eigentlich schade.
Die neue Trilogie und der Weg zu 2024
Aber gut Ding will Weile haben und so dauerte es immerhin noch weitere drei Jahre, bis der Amerikaner Matt Reeves auf dem Regiestuhl Platz nahm und mit Dawn of the Planet of the Apes (zu deutsch Planet der Affen: Revolution) einen Meilenstein des phantastischen Endzeitkinos schuf. Technisch konnte das Team nochmal eine Schippe in Sachen Fotorealismus drauflegen und auch das Motion Capturing am Set wurde weiter verbessert. So wurde auch unter widrigen Wetterbedingungen gefilmt. Die sogenannten Mocap-Suits wurden dafür maßgeblich verbessert. Wieder schlüpfte Andy Serkis in die Rolle von Caesar, der jetzt mit einem Stamm Affen nahe einem verfallenen Wasserkraftwerk lebt. Eine Gruppe von Menschen möchte nun das Kraftwerk zur Stromgewinnung nutzen und versucht, mit den Affen zu verhandeln. Aber im Affenlager selbst gibt es Konflikte. Ein Affe namens Koba – sehr gut gespielt von Toby Kebbell (der später auch Mocap für King Kong übernahm) – wurde von den Menschen im letzten Film gequält und sinnt jetzt nach Rache. Dazu sabotiert er den fragilen Frieden zwischen Caesars Stamm und den menschlichen Siedlern. Der Film endet mit einem Showdown zwischen Caesar und Koba und einer Kampftruppe der Menschen, die auf Caesar und seinen Stamm Jagd machen soll. Insgesamt ein toll gemachter Film, sowohl von den Effekten, als auch von der Atmosphäre, den nahezu fotorealistischen CGI-Affen und ihren großartigen Darstellern, neben Serkis unter anderen Gary Oldman (immer wieder toll), Keri Russell und Jason Clarke.
Vier Jahre später nimmt der dritte Teil der neuen Trilogie um Caesar die Fäden da auf, wo wir am Ende von Planet der Affen: Revolution ausgestiegen sind. In War of the Planet of the Apes (zu deutsch völlig wild: Planet der Affen: Survival) sind Caesar und sein Stamm auf der Flucht, während die Seuche weiter unter den letzten überlebenden Menschen wütet. Neben vielen moralischen und emotionalen Noten haben wir mit Woody Harrelson einen phantastischen Antagonisten: Sein Colonel bekommt einen tollen Charakterbogen und am Ende kommt es zu einem großen emotionalen Finale, das der Saga um Caesar einen würdigen Abschluss verleiht. Für mich ist dieser Film der beste der neuen Trilogie und mein persönlicher Platz zwei des Franchise (hinter dem Original). Dazu gab es noch tolle Ausstattung und Effekte, eine Wahnsinns-Performance von Andy Serkis und einen großartigen Score von Michael Giacchino, der mir noch lange im Anschluss im Ohr blieb.
Planet der Affen: New Kingdom (2024)
2024 kehren wir auf den Planeten der Affen zurück. Bei Planet der Affen: New Kingdom (im Original: Kingdom of the Planet of the Apes) von Wes Ball handelt es sich um eine Quasi-Fortsetzung zur letzten Trilogie. Der durch die Maze-Runner-Filme bereits mit Endzeit gut vertraute Regisseur Wes Ball steigt mehrere Generationen nach Caesar ein und zeigt, wie sich die Gesellschaft der Affen entwickelt hat. Im Zentrum steht der junge Noa, Sohn des Anführers vom Stamm der Adler. Die Sippe züchtet und richtet Adler für die Jagd ab. So werden wir am Anfang Zeuge eines Übergangsritus. Die jungen Krieger besteigen die alten, von viel Grün überwucherten Wolkenkratzerruinen, um sich Eier aus den Nestern der Adler zu stehlen, die sie dann aufziehen. Dabei steht Noa als Häuptlingssohn unter besonderem Druck, sich vor seinem Vater zu beweisen. Bereits am selben Abend ertappt Noa in ihrer Siedlung einen Eindringling. Bei einem Handgemenge wird sein Ei zerdrückt und der Eindringling entkommt. Da das Ritual am nächsten Morgen stattfinden soll, beschließt er, sich noch in der Nacht ein neues Ei zu sichern. Auf dem Weg stößt er auf eine Gruppe Affen eines unbekannten Stamms, die auf der Suche nach einem Menschen sind und in das Lager von Noas Stamm einfallen. Am Ende wird Noas Vater getötet und sein Stamm entführt. Also beschließt Noa, den anderen Affen zu folgen und seine Leute zurückzuholen.
Insgesamt ein sehr guter Einstieg und deutlich familienfreundlicher als die letzten beiden Filme – trotz des Überfalls. Auf dem Weg trifft er mit Raka einen Orang-Utan, der sich als Mitglied des Ordens von Caesar vorstellt – einer Gruppe, die die ursprünglichen Lehren von Caesar aus den letzten Filmen predigen: „Affen zusammen stark“. Auch sein Stamm wurde von den fremden Affen überfallen und so schließt er sich Noa an. Schnell stellen beide fest, dass sie verfolgt werden. Der Eindringling aus der Nacht des Überfalls stellt sich als Menschenfrau heraus, die den beiden gefolgt ist. Ist sie diejenige, die die anderen gesucht haben? Dabei ist sie der erste Mensch, auf den Noa trifft. Und nicht nur das, Noa und Raka stellen fest, dass die Frau auch sprechen kann – wie ungewöhnlich für ihn, denn Noa ist nicht viel von früher und der Menschenwelt überliefert worden.
Schließlich kommt die Gruppe am Meer an. Dort hat sich Proximus Caesar mit einer Armee eingenistet. Als Egomane lässt er sich von alter menschlicher Geschichte inspirieren und annektiert andere Affenstämme einfach, um mehr Macht zu bekommen. Am Strand versucht er, in ein altes Menschen-Depot einzudringen, um die dort lagernden Waffen zu nutzen und dadurch noch mächtiger zu werden. Und jetzt stellt sich heraus, dass Noas und Rakas Begleiterin auch hierher unterwegs war, allerdings um ein Artefakt zu bergen, das den Menschen die Sprache zurückgeben soll. Die Gruppe gerät in Proximus’ Gefangenschaft, und Noa trifft seinen Stamm wieder. Gemeinsam planen sie den Einbruch in die Anlage und die Flucht.
Insgesamt ist der Film ein schöner Abenteuerfilm für einen launigen Sonntagnachmittag – in dieser Form habe ich ihn mir im Kino zu Gemüte geführt. Die Ausstattung und Atmosphäre ist top, die Besetzung etwas weniger bekannt als bei früheren Filmen. Am bekanntesten dürfte William H. Macy sein, der eine kleine Nebenrolle übernimmt. Freya Allan, die zuerst als Nova vorgestellt wird, ist den meisten vielleicht durch die Witcher-TV-Serie auf Netflix bekannt. Peter Macon, der den Orang-Utan Raka spielt, ist SF-Fans schon als Bortus vom Raumschiff Orville begegnet, in beiden Rollen aber kaum wiedererkennbar. Noa wird vom noch jungen Owen Teague gespielt, den ich vorher noch nicht kannte, der aber eine solide Arbeit abgeliefert hat. Am besten gefiel mir aber Kevin Durand als Proximus. Man merkt ihm den Spaß an, den er mit dieser Rolle hatte. Auf Bösewichter ist er ja schon länger abonniert, aber hier transformiert er sich vollkommen in seine Rolle. Die einzigen beiden Wermutstropfen sind für mich: Zum einen die Musik, die keinen wirklich eigenen Charakter bekommen hat. Es schimmert hier und da etwas Goldsmith und etwas Michael Giacchino durch (der die Matt-Reeves-Filme vertont hat), ansonsten liefert John Paesano aber nur durchschnittliche Blockbusterware ab. Und zweiter Downer war das Ende: Hier hat sich ein riesiger Logikfehler eingeschlichen, der einfach für mich keinen Sinn ergeben wollte. Das ist physikalischer Unsinn, und das, obwohl der Film bis dahin seine Sache sehr gut gemacht hatte. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass man aus dem Stoff und den Andeutungen vielleicht noch einen oder zwei weitere unterhaltsame Filme machen könnte, auch wenn die beiden Matt-Reeves-Filme neben dem Original meine Highlights der Reihe bleiben.
Wir sehen uns im Kino!
Zeitlinie
- 1965 Buch: Planet der Affen von Pierre Boulle
- 1968 Film: Planet der Affen (Planet of the Apes) von Franklin J. Schaffner
- 1970 Film: Rückkehr zum Planet der Affen (Beneath the Planet of the Apes) von Ted Post
- 1971 Film: Flucht vom Planet der Affen (Escape from the Planet of the Apes) von Don Taylor
- 1972 Film: Eroberung vom Planet der Affen (Conquest of the Planet of the Apes) von J. Lee Thompson
- 1973 Film: Die Schlacht um den Planet der Affen (Battle for the Planet of the Apes) von J. Lee Thompson
- 1974 Serie: Der Planet der Affen
- 1983 Game: Revenge of the Apes für Atari VCS (veröffentlicht 2003 als Revenge of the Apes von retro design)
- 2001 Film: Planet der Affen von Tim Burton
- 2001 Game: Planet der Affen von Ubi Soft
- 2003 Game: Revenge of the Apes
- 2011 Film: Planet der Affen: Prevolution (Rise of the Planet of the Apes) von Rupert Wyatt
- 2014 Film: Planet der Affen: Revolution (Dawn of the Planet of the Apes) von Matt Reeves
- 2017 Film: Planet der Affen: Survival (War for the Planet of the Apes) von Matt Reeves
- 2017 Game: Planet of the Apes: Last Frontier
- 2018 Game: Crisis on the Planet of the Apes VR
- 2024 Film: Planet der Affen: New Kingdom (Kingdom of the Planet of the Apes) von Wes Ball
Ursprünglich veröffentlicht in VD aktuell #04 (Virtual Dimension).