Filmreviews · 29. Februar 2024

Zurück zum Wüstenplanet – eine persönliche Retro-Reise

Dune ist weit mehr als eine einfache Science-Fiction-Geschichte. Bald 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Romans „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert ist ein komplettes Universum entstanden, in dem etwa 8000 Jahre in der Zukunft der Kampf um die Führerschaft und den Thron in einem futuristischen Feudalstaat tobt.

Dieser Artikel enthält Spoiler zu zumindest dem ersten Roman und den diversen Interpretationen. Ich empfehle zumindest eine davon schon konsumiert zu haben oder den Artikel vielleicht zum Anlass zu nehmen, das nachzuholen.

Als mich der gute Dennis Pauler bat, einen Artikel über den Film Dune anlässlich der Veröffentlichung von Teil 2 am 29. Februar 2024 zu machen, habe ich spontan zugesagt, ohne auch nur zu ahnen, in was für einem „Kaninchenbau einer Recherche“ ich mich verlieren würde. Dune oder zu Deutsch Der Wüstenplanet ist heute nicht nur ein Science-Fiction-Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Frank Herbert, der 1965 erschienen ist, sondern ein bis heute wachsendes Multimedia-Epos, das von Bücher-Zyklen über Filme, Comics bis hin zu Videospielen einen festen Platz in der Popkultur einnimmt. Dabei setzten die unterschiedlichen Adaptionen immer wieder eigene Akzente und haben nicht nur die eigenen Fortsetzungen, sondern auch viele andere Story-Universen und Kreative – mich eingeschlossen – inspiriert.

Für mich begann mein Weg mit einem Zappen. Wir waren mitten in den 1990igern und das Privatfernsehen hatte uns mit einer Menge vor allem amerikanisch geprägter Geschichten versorgt. Vieles habe ich damals mehr zufällig entdeckt und so stolperte ich eines Abends auf ProSieben über die sehr umstrittene erste Verfilmung von David Lynch, mit einem jungen Kyle MacLachlan, der mit dem Streifen sein Filmdebüt gab. Lynch war sich der Komplexität des Stoffs sehr bewusst und wollte ursprünglich die Geschichte in zwei Filmen erzählen, doch als junger, noch wenig erfahrener Filmemacher sollten ihm das Studio und die Produzenten maßgeblich das Leben zur Hölle machen. Glaubt man Wikipedia, so war Lynchs erster Cut des Films dreieinhalb Stunden lang, im Kino landete aber eine nur noch 137 Minuten lange Fassung. Es wurden sehr viele Handlungsstränge entweder gestrichen oder stark verkürzt. Viele halten diese Adaption daher für misslungen, Regisseur Lynch eingeschlossen, der sich bis heute weigert, über die Produktion an sich zu sprechen. Er ließ sich sogar für die verlängerte TV-Fassung aus den Regie-Credits streichen, weshalb diese unter der Regie eines gewissen Alan Smithee steht.

Trotzdem hat mich der Film damals sehr gefesselt. Für mich und viele andere stecken darin trotzdem eine Menge ungewöhnlicher, kreativer und expressionistischer Ideen und Szenen, die mich bis heute begleiten. Schon die Titelsequenz mit dem epischen Hauptthema der amerikanischen Rockband Toto – übrigens deren einziger Film-Soundtrack – hat mich in den Bann gezogen. Sehr traumatisch war die Szene mit Pauls Prüfung durch die Mutter Oberin Mohiam der Bene Gesserit Schwesternschaft. Paul zitiert die Litanei der Angst und wir sehen vor seinem geistigen Auge, was da mit seiner Hand passiert – oder auch nicht. Oder die immer wiederkehrenden Traumvisionen mit dem „Das Schlafende muss Erwachen“-Zitat, das Fanta4-ler Thomas D. in seinem Song Krieger sampelte. Der Prophecy-Song von Electro-Musik-Legende Brian Eno bleibt ebenso im Ohr. Allerdings waren die von Lynch als Story Device verwendeten Schallmodule eine reine Erfindung des Films. Überhaupt weicht Lynch an vielen Stellen stark ab, z.B. mit einer offensichtlichen Expositionsszene am Anfang, in der der Imperator Vertretern der Navigatorengilde seinen Plan zur Vernichtung von Haus Atreides auseinandersetzt.

Die Besetzung war großartig: Der Deutsche Jürgen Prochnow als Herzog Leto, Sean Young als Fremin Chani (bekannt u.a. aus Blade Runner), José Ferrer als Imperator, Linda Hunt, Virginia Madsen, Brad Dourif, Richard Jordan, Max von Sydow, Dean Stockwell und Patrick Stewart – dies sind nur einige bekannte Gesichter, die man als Kind der 1980er direkt erkennt. Ich könnte noch viele Szenen zitieren und weiß nicht mehr, wie oft ich insbesondere die Kinoversion des Films bereits gesehen habe. Auch die verlängerte TV-Version ist nicht uninteressant, da uns u.a. mit einer längeren, illustrierten Anfangssequenz noch mehr Informationen zu den Hintergründen des Universums gegeben werden. Trotzdem machte mich die Verfilmung neugierig, tiefer in das Dune-Universum einzusteigen und mir 1995 eine schöne, teilweise illustrierte Neuauflage des Romans aus dem Heyne Verlag zu besorgen. Auf den 647 Seiten geht die Geschichte noch viel mehr in die Tiefe, mehr Politik und Intrigen, mehr über die Fremen und eine Menge an angedeuteten literarischen Quellen aus der Welt von Dune. Zusätzlich hat das Buch von Herbert 50 Seiten Anhang spendiert bekommen, in dem die Häuser, die Kultur und diverse Begrifflichkeiten erklärt werden.

Zu viel Text oder keine Zeit zum Lesen? Es gibt inzwischen zwei gute Hörbuch-Varianten des Stoffs: Eine mit Jürgen Prochnow, der ja auch im Lynch-Film zu sehen ist, Marianne Rosenberg und Simon Jäger. Die andere, neuere Version erschien passend zur Veröffentlichung des 2020er Films und wurde von Mark Bremer und Uta Dänekamp vertont. Letzteres Team hat auch noch die weiteren Romane im Dune-Zyklus als Hörbuch adaptiert.

Nach Film, Buch und Hörbuch bin ich dann natürlich auch nicht um die Videospiele herumgekommen. Als kleiner Strategie-Game-Fan war mein erster direkter Kontakt Dune 2 von Westwood, das 1992 erschien und mit seinem Echtzeit-Kampf-System bahnbrechend war, bewegte man sich in dieser Zeit in Strategiespielen meist noch in rundenbasierten Systemen, wie z.B. bei Battle Isle oder Civilization. So ist Dune 2 nicht nur ein Pionier des RTS-Genres, sondern auch der illegitime Vorgänger der kultigen Command-&-Conquer-Reihe, die ohne die Filmlizenz, aber mit ähnlichem Gameplay und gefilmten Zwischensequenzen ein eigenes Universum erschloss. Daneben gab es im selben Jahr noch eine zweite Dune-Veröffentlichung, die eine Mischung aus Adventure und Strategie war und mit CD-Unterstützung und Sprachausgabe aufwartete. Ein passendes Let’s Play davon gibt es auf dem Kanal von Virtual Dimension. Grafisch orientierte man sich vage am Film – aber ich gebe zu, dass es mich nicht überzeugt hat. 1998 fand Dune 2 in Dune 2000 einen offiziellen Nachfolger, dem man nicht nur ein modernisiertes Gameplay, sondern auch gefilmte Zwischensequenzen spendierte. Bekanntestes Gesicht vor der Kamera war dabei der Brite John Rhys-Davis, der Dank der Wing-Commander-Spiele schon einiges an Greenscreen-Erfahrung mitbrachte.

Nach langer Film-Abstinenz schickte im Jahr 2000 der SciFi-Channel eine dreiteilige Miniserie auf die heimischen TV-Geräte. Man adaptierte nochmal das Buch, gab den Charakteren aber mehr Platz. Trotz eines soliden Casts um William Hurt, Giancarlo Giannini oder dem deutschen Uwe Ochsenknecht blieb die Adaption mit doch sehr einfachen CGI-Effekten sehr farblos. Etwas besser gefiel mir die Fortsetzung dazu, die ebenfalls dreiteilige Miniserie Children of Dune. Außer weniger Rollen wie Darsteller Alec Newman (Paul), Barbora Kodetová (Chani), Ian McNeice (Baron Harkonnen) und Julia Cox (Prinzessin Irulan) wurde der Cast getauscht. Der Drehbuchautor und Regisseur der ersten Miniserie John Harrison gab hier den Regie-Posten ab. Für die Regie verpflichtete man den Amerikaner Greg Yaitanes, der zuletzt u.a. an der Produktion der Game-of-Thrones-Nachfolgeserie House of the Dragon beteiligt war. Dieses Mal nahm man sich gleich zwei Büchern an, nämlich in der ersten Folge Der Herr des Wüstenplaneten, was sich vornehmlich mit dem Schicksal von Paul Atreides und den Folgen des heiligen Kriegs beschäftigt, der in seinem Namen geführt wurde, und in den weiteren beiden Folgen Die Kinder des Wüstenplaneten, wo es vor allem um Pauls und Chanis Kinder und Pauls Schwester Alia geht. Erwähnenswert ist hier die großartige Musik von einem frühen Brian Tyler, der sich später mit Scores für Marvel-Filme wie dem zweiten Avengers-Film Age of Ultron und Iron Man 3 in Hollywood einen Namen machen sollte. Und wir sehen einen frühen Auftritt von James McAvoy, der später die Rolle des jungen Charles Xavier in den späteren X-Men-Filmen übernahm. Die vor allem Star-Trek-Fans als erste Borg-Queen bekannte Alice Krige spielte die Rolle der Lady Jessica.

Ein weniger bekanntes Kapitel der Welt von Dune dokumentierte 2014 der Regisseur Frank Pavich mit seinem Film Jodorowsky’s Dune. Bevor David Lynch 1984 nach Arrakis aufbrach, machte sich der chilenische Filmemacher Alejandro Jodorowsky 1975 auf die Reise. Der vorher vor allem durch sehr experimentelle und expressionistische Werke wie El Topo oder Der heilige Berg bekannt gewordene Jodorowsky bekam vom französischen Produzenten Michel Seydoux einen Freifahrtschein für ein Werk seiner Wahl – er wählte Frank Herberts Dune. Mitte der 1970er galt Dune aufgrund seiner vielen Ideen und Konzepte als unverfilmbar. Für Jodorowsky nur ein Ansporn, die in seinen Augen Besten der Besten zu versammeln. Und auch wenn dieses Projekt schon von Anfang an ob seiner schieren Größe zum Scheitern verurteilt war, so waren die von Jodorowsky genannten „Heiligen Krieger“, die er anwarb und mit seiner Mischung aus Begeisterung und kreativem Wahnsinn ansteckte, später für viele spätere Kultstreifen in Hollywood verantwortlich. So engagierte er den Franzosen Jean Giraud, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Moebius, Jodorowskys Ideen in ein dickes Storyboardbuch zu bannen. Nach Scheitern des Projekts setzten beide ihre Zusammenarbeit fort und schufen die Incal-Graphic-Novels, die später einen gewissen Luc Besson maßgeblich beim Film Das fünfte Element inspirierten, für den er sich abermals Moebius mit an Bord holte. Special Effects bei Dune hätte der Amerikaner Dan O’Bannon übernehmen sollen. Er hatte dazu erste Erfahrungen beim John-Carpenter-Erstling Darkstar gesammelt, wurde aber später vor allem als Drehbuchautor von Filmen wie Alien, Total Recall oder Das fliegende Auge bekannt. Für den Film Alien brachte O’Bannon einen weiteren Jodorowsky-Alumni an Bord, den Schweizer H. R. Giger, der für Jodorowsky einige seiner alptraumhaftesten Designs für die Harkonnen schaffen sollte und bei Alien das ikonische, titelgebende Monster schuf. Auch bei Alien dabei war der Designer Chris Foss, Spezialist für Raumschiffe und Technik. Ihn holte James Gunn an Bord, als er den ersten Guardians-of-the-Galaxy-Film drehte. Für die Musik sollte jedes Haus in Dune Musik einer anderen Band bekommen, Haus Atreides beispielsweise von Pink Floyd. Aber auch vor der Kamera wären einige Schwergewichte zu sehen gewesen, wie Orson Wells als Baron Harkonnen oder der exzentrische Künstler Salvador Dalí als Imperator Shadam IV. Für die Rolle des Paul hatte Jodorowsky seinen Sohn auserkoren, den er ähnlich wie Leto Atreides Paul in den unterschiedlichsten Disziplinen ausbilden ließ. Am Ende scheiterte alles am Umfang: Für Jodorowsky hätte es ein 10-Stunden-Film werden sollen, den wir nie zu sehen bekommen werden, aber die sehr faszinierende und inspirierende Dokumentation darüber kann ich sehr empfehlen.

Rechtzeitig zum Release von Denis Villeneuves erstem Dune-Film erschien noch eine Graphic-Novel-Variante, die Frank Herberts Roman in drei Bänden adaptierte. Dahinter stehen vor allem Franks Sohn Brian Herbert und der Autor Kevin J. Anderson, die das Erbe der Dune-Saga schon für diverse Fortsetzungen in Romanform angetreten hatten. Illustriert wurde die Graphic Novel von Raúl Allén & Patricia Martín. Die ersten beiden Bände sind bei uns zu Lande analog und digital beim Splitter Verlag erschienen, der dritte und letzte Band wird im Juli erwartet.

Der Autor

Frank Patrick Herbert war ein amerikanischer Science-Fiction- & Fantasy-Autor, der am 8. Oktober 1920 zur Welt kam und am 11. Februar 1986 verstarb. Auch wenn der Dune-Zyklus sein bekanntestes und einflussreichstes Werk ist, erschienen bereits erste Kurzgeschichten im März 1945 im Esquire-Männer-Magazin. In den Jahren nach 1965 schrieb er noch fünf weitere Romane aus dem Dune-Zyklus. Die Arbeit am siebten Roman endete vorzeitig mit dem Tod des Autors an Bauchspeicheldrüsenkrebs – der Roman wurde später von seinem Sohn Brian Herbert zusammen mit dem Autor Kevin J. Anderson in zwei Büchern nach Herberts Notizen beendet. Wikipedia listet allein 51 Kurzgeschichten und 23 Romane, die bis 1985 erschienen sind, davon einige mit Co-Autoren.

Worum geht es denn jetzt in Dune?

Wir schreiben das 102. Jahrhundert und die Menschheit hat sich im Universum ausgebreitet. Dabei beherrschen einzelne Familien, als sogenannte Hohe Häuser bekannt, unter der Führung eines Imperators die wichtigsten Planeten. Besonderen Stellenwert hat dabei Arrakis, genannt Dune, der Wüstenplanet, denn nur dort wird eine Droge namens „das Spice“ abgebaut, die das Bewusstsein erweitern kann und den Mitgliedern der Navigatoren-Gilde ermöglicht, die Menschen binnen weniger Augenblicke von Planet zu Planet zu transportieren.

Die Häuser selbst bilden den Landrat und stehen im großen Wettbewerb um die Vorherrschaft. Jüngst hat Padischah-Imperator Shadam IV aus dem Haus Corrino der Familie Harkonnen die Schürfrechte auf Arrakis entzogen, um sie der Familie Atreides zu übertragen. Letztere haben zuletzt viel an Einfluss gewonnen, also stellt Shadam ihnen eine Falle. Herzog Leto Atreides ahnt die Absicht, er unterschätzt aber die Tragweite. Seinen Sohn Paul lässt er von seinen besten Beratern Gurney Halleck, Duncan Idaho und Thufir Hawat ausbilden. Doch nicht nur sie, sondern auch Pauls Mutter, Lady Jessica, unterweisen den Jungen. Als Mitglied der Bene Gesserit Schwesternschaft besitzt sie besondere mentale Techniken, wie „die Stimme“, mit der man anderen den eigenen Willen aufzwingen kann. Die Bene Gesserit sind eine interstellare Sekte, die schon seit Jahrhunderten im Geheimen versucht, die Häuser in ihrem Sinne zu manipulieren. Dazu streuen sie bei den einzelnen Kulturen Prophezeiungen, die sie dann für ihre Zwecke nutzen können. Durch das geschickte Platzieren von Schwestern als Konkubinen der Mächtigen greifen sie auch in die genetische Entwicklung ein, um einen Übermenschen zu züchten.

Paul hat schon seit einiger Zeit Visionen über die Zukunft auf Arrakis und von einer kommenden Begegnung mit einem ihm unbekannten Mädchen. Trotz aller Vorbereitung wird das Haus Atreides von innen heraus verraten und der Herzog getötet. Lady Jessica und Paul gelangen mit Hilfe und durch das Opfer des Planetologen Liet Kynes und Pauls Mentor Duncan Idahos in die Wüste, wo sie auf das Volk der Fremen treffen. Dort begegnen sie Stilgar, deren Anführer, aber auch Chani, die Paul als das Mädchen aus seinen Visionen wiedererkennt. Dank der Vorarbeit der Bene Gesserit glauben die Fremen darüber hinaus an eine Prophezeiung: Der junge Paul könne ihnen zur Freiheit aus der Unterdrückung der hohen Häuser verhelfen.

Soweit der Einstieg, der uns in eine Welt der politischen Ränkespielchen, interstellaren Wirtschaft, Kampf der Ideologien und Widerstand gegen das politische System entführt.

Dune in unterschiedlichen Medien

Filme

  • 1975 Dune von Alejandro Jodorowsky (unverfilmt)
  • 1984 Dune von David Lynch
  • 2000 Frank Herbert’s Dune als SF-Miniserie von John Harrison
  • 2002 Frank Herbert’s Children of Dune als SF-Miniserie von Greg Yaitanes
  • 2021 Dune von Denis Villeneuve

Bücher (Frank Herbert)

  • 1965 Dune | Der Wüstenplanet
  • 1969 Dune Messiah | Der Herr des Wüstenplaneten
  • 1976 Children of Dune | Die Kinder des Wüstenplaneten
  • 1982 God Emperor of Dune | Der Gottkaiser des Wüstenplaneten
  • 1984 Heretics of Dune | Die Ketzer des Wüstenplaneten
  • 1985 Chapterhouse Dune | Die Ordensburg des Wüstenplaneten
  • Weitergeführt von Brian Herbert und Kevin J. Anderson

Games

  • 1992 Dune (Cryo Entertainment) | Mischung aus Strategie & Adventure
  • 1992 Dune II – The Building of A Dynastie (Westwood Entertainment) | RTS
  • 1998 Dune 2000 (Westwood Entertainment) | RTS mit Realfilmszenen
  • 2022 Dune: Spice Wars (Shiro Games) | RTS
  • 20XX Dune Awakening (Funcom) | Open World

Graphic Novels

  • 2020 Dune the Graphic Novel I–?, adaptiert von Brian Herbert und Kevin J. Anderson, illustriert von Raúl Allén & Patricia Martín (erschienen bei Splitter)

Dune: Part I

Und dann erschien 2020 der große Film des Kanadiers Denis Villeneuve, der sich davor schon mit SF-Perlen wie Arrival und der Fortsetzung zu Blade Runner einen Namen im Genrekino gemacht hatte. Allerdings verzögerte sich die Veröffentlichung maßgeblich, da eine kleine Pandemie ausbrach und unser aller Leben ziemlich auf den Kopf gestellt hatte. Wie bei vielen anderen Filmen dieses Jahres entschloss sich der Vertrieb Warner den Film zumindest in den USA parallel auf der Streaming Plattform HBO MAX zu veröffentlichen. Für viele Filme aus diesem Jahr bedeutete der Streaming-Release auch eine finanzielle Bruchlandung. Umso positiver ist anzumerken, dass trotz der Widrigkeiten Dune laut Box Office Mojo über 420 Millionen weltweit eingespielt hat und damit Warner nach etwas Zögern doch noch grünes Licht für Teil II gab.

Ein Blick auf Cast & Crew

Ich habe ja schon die Besetzung der Lynch-Version über den Klee gelobt, aber auch die Neuverfilmung muss sich hier nicht verstecken.

Die Hauptfigur Paul Atreides übernimmt der New Yorker Timothée Chalamet, der aktuell mit der Roald-Dahl-Neuinterpretation Wonka gerade aus dem Kino verschwunden ist. Seinen Durchbruch hatte er 2017 mit dem Drama Call me by your name. Seinen Vater Leto gibt der kühle Guatemalteke Oscar Isaac, der sich schon in diversen Rollen und Universen einen Namen gemacht hat. Lady Jessica wird von der in Schweden geborenen Rebecca Ferguson gespielt, die mich zuletzt in der Apple-TV-Serie Silo begeistert hat – ein definitiver Geheimtipp für Freunde post-apokalyptischer Dystopien. Pauls Mentoren Gurney Halleck und Duncan Idaho hätten für mich kaum treffender als mit Josh Brolin bzw. Jason Momoa besetzt werden können. Beide bringen ihre ganz eigenen Gravitas zu den jeweiligen Rollen. Der Spanier Javier Bardem ist als der mysteriöse Fremenführer Stilgar zu sehen und die Britin Sharon Duncan-Brewster lässt mich direkt vergessen, dass die Rolle des Planetologen Liet Kynes eigentlich im Original männlich war. Ein kleiner Coup ist die Besetzung der Mutter Oberin Mohiam, denn die Britin Charlotte Rampling war schon für die Jodorowsky-Verfilmung von Dune im Gespräch, damals aber für die Rolle der Lady Jessica. Die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Zendaya hat in Teil 1 leider wenig mehr zu tun als auszusehen, was sich aber in Teil 2 maßgeblich ändern wird. Ich finde aber, sie und Timothée haben eine gute Chemie in den wenigen gemeinsamen Szenen. Natürlich müssen auch die „Bösen“ gut besetzt werden, und auch wenn Padischah-Imperator Shadam IV hier noch nicht auftaucht, kann sich auch das Haus Harkonnen sehen lassen. Der Schwede Stellan Skarsgård ist der Bösewicht schlechthin – und er spielt einen großartigen Baron Vladimir Harkonnen mit sehr viel persönlichem Einsatz. Den kann man von Szene 1 an hassen.

Alles in allem hat es Villeneuve geschafft, einen sehr internationalen und vielseitigen Cast für seine Dune-Reihe zu besetzen, und die Familie wird mit Teil 2 um einige weitere bekannte Namen erweitert.

Aber auch hinter der Kamera hat Villeneuve gute Leute verpflichtet, so schrieb er das Drehbuch mit dem durch das Alien-Prequel Prometheus und das SF-Romanzendrama Passengers bekannte Jon Spaihts und dem für das Drehbuch von Forrest Gump mit einem Oscar ausgezeichneten Eric Roth. Bei den letzten Filmen vor Dune hatte Villeneuve mit dem britischen Cinematographen Roger Deakins zusammengearbeitet, der einen sehr eigenen Beleuchtungsstil eingebracht hatte. Für Dune griff Villeneuve aber auf den Australier Greig Fraser zurück, der schon u.a. an Star Wars: Rogue One und The Batman gearbeitet hatte und einen sehr geerdeten, aber auch hoch ästhetischen Stil mitgebracht hatte, der vor allem gut auf Arrakis zum Tragen kommt – eine gute Wahl. Deakins betreute übrigens stattdessen den ambitionierten Weltkriegs-Oneshot 1917.

Für die Musik konnte Villeneuve den deutschen Kult-Komponisten Hans Zimmer gewinnen, der selbst bekennender Fan des Romans ist und auf wunderbare Weise die Andersartigkeit der Welt von Dune in Musik gebannt hat. Von den tiefen, verzerrten Stimmen, die die Sardaukar-Truppen des Imperators begleiten, über ein mitreißendes Thema, das man vielleicht als 2001-Nacht beschreiben könnte, bis hin zu den E-Gitarren und Dudelsack-Spielern, die das Haus Atreides kontrastreich in Szene setzen: Zimmer tobte sich so sehr aus, dass es neben dem Soundtrack zum ersten Film auch ein Album mit nicht verwendeten musikalischen Themen gab und – auch ein persönliches Highlight für mich: Es gibt einen ganz tollen Bildband mit Art-Design des Films, der ebenfalls einen eigenen Soundtrack von Zimmer spendiert bekam.

Werfen wir aber auch einen Blick auf den Kanadier Denis Villeneuve selbst – für mich einer der besten Regisseure der letzten Jahre. Den 1967 im französischen Teil Kanadas im Bundesstaat Quebec geborenen Villeneuve habe ich schon seit einigen Jahren fest im Blick, spätestens seit ich den Film Sicario gesehen habe – und mit welchem Detail für Charaktere und Story er das Drogen-Thriller-Drama inszeniert hat. Jede Einstellung hat ihr Motiv und ihr Ziel, es gibt gefühlt keinen Leerlauf, und die Geschichte hat mich bis zum letzten Frame gefesselt. Ich habe dann noch die Filme Enemy und Prisoners nachgeholt. Umso mehr hat mich gefreut, dass er sich in seinen letzten Filmen vor allem dem Science-Fiction-Genre zugewendet hat. War The Arrival noch ein Ausflug – ein Kratzen an der Oberfläche, bei dem der Kern der Geschichte eigentlich kein Science Fiction war, sondern mehr Drama mit Thriller und SF-Elementen. Sehr raffiniert ist das Spiel mit der Zeit und ihrer Wahrnehmung, gerade wenn man am Ende die ganze Geschichte kennt.

Mein Fazit zum Film

Denis Villeneuve gelingt es als Erstem, den komplexen Stoff von Herbert für ein breites Mainstream-Publikum zu erschließen, mit großen Bildern, viel Liebe zum Detail und den besten Kriegern vor und hinter der Kamera. Zwar ist sein Dune nicht so phantastisch wie die Vision von Jodorowsky, noch so üppig ausgestattet wie bei Lynch, noch so nah am Buch wie die TV-Verfilmung von Harrison, doch sorgt gerade die Mischung dafür, dass man von Minute 1 an in die Welt von Arrakis eingesogen wird. Die geerdete Inszenierung mit sehr dosiertem CGI und den kühlen Bildern von Fraser, dazu die Musik von Zimmer, die offensichtlich nicht von dieser Welt ist – das hier ist ein Blockbuster, der für die große Leinwand bestimmt ist. Und diese Liebe zum Stoff und zum Detail merkt man auch allen Beteiligten vor der Kamera an. Wer bislang noch gezögert hat, sich nach Arrakis aufzumachen, der sollte es hiermit tun. Zwar erlaubt Villeneuve sich bei seiner Adaption Freiheiten und kratzt an vielen Stellen nur an der Oberfläche, schafft es aber, die vollen zweieinhalb Stunden gut und kurzweilig mitzunehmen. Und anders als bei anderen Filmreihen hat dem Stoff diese Zweiteilung sichtlich gut getan, bekommt er deutlich mehr Story unter als bei Lynch – der ja auch lieber zwei Filme gemacht hätte. Wer schon dort war und von der Welt fasziniert, der bekommt hier eine sehr gelungene Umsetzung. Und wer noch mehr möchte, der sollte auf jeden Fall das Buch oder Hörbuch zur Hand nehmen. Millionen von Lesern haben es schon getan und die irren nicht.

Dune: Part II

Eins vorneweg: Wer Teil 1 schon nicht mochte, wird es sicher mit Teil 2 auch schwer haben. Alle anderen bekommen einen deutlich stärkeren Film, der sehr gezielt auf die Stärken des Vorgängers zielt und diese noch weiter treibt bis hin zu einem epischen Finale.

Die Fortsetzung setzt genau da an, wo uns der erste Film zurückließ. Das Haus Atreides ist nicht mehr. Paul Atreides, nun Herzog, ist mit seiner Mutter, der Bene-Gesserit-Schwester Lady Jessica, bei den Fremen untergetaucht und wird zu deren nördlicher Festung gebracht. Währenddessen übernimmt das Haus Harkonnen erneut die Kontrolle auf Arrakis und damit den Abbau des Spice, der wichtigsten Substanz im bekannten Universum. Während Paul sich erstmal ans Leben in der Wüste anpasst, nutzt seine Mutter eine von den Bene-Gesserit-Schwestern auf Arrakis eingeführte Prophezeiung, um die Fremen mittels Glauben an sich und ihren Sohn zu binden. Dank Pauls Kampftraining ist er bald mitten im unerbittlichen Guerillakrieg mit den Harkonnen. Glossu Rabann Harkonnen gerät dabei ins Hintertreffen und wird von seinem Onkel, dem Baron, durch dessen Neffen Feyd-Rautha Harkonnen ersetzt. Letzterer ist, wie schon Paul, ein Kandidat für das Übermenschen-Programm der Bene Gesserit, allerdings ein absoluter Psychopath, der erbarmungslos gegen die Fremen ins Feld zieht. Wird Paul seine Zweifel über seine Rolle im großen Ganzen überwinden können und sich zum Messias und Anführer der Fremen aufschwingen, um seine Rache für den Tod des Vaters zu nehmen?

Mit diesem Film legt Villeneuve nochmal ein paar Schippen gegenüber dem ersten Film drauf. Es gibt nicht nur mehr Action, interessante Einblicke in die Kultur der Fremen und eine ganze Menge Drama, nein, zusammen mit Drehbuch-Autor Jon Spaihts arbeitet er schön den inneren Konflikt Pauls heraus, sich zwischen seiner Liebe und einem schwelenden Krieg zu entscheiden. Dabei nimmt er sich gegenüber dem Buch einige Freiheiten heraus, die uns aber wesentlich tiefer in die Geschichte ziehen.

Wir erfahren nicht nur mehr von den Fremen, sondern erleben auch realistisch und nachvollziehbar, wie aus dem dürren Jungen aus Teil 1 ein großer Anführer wird. Dabei hilft sicher auch, dass Timothée Chalamet anders als Paul vier Jahre gealtert ist und so deutlich besser und reifer aufspielen kann. Auch ist es spannend, einen noch stärkeren Blick auf die Harkonnen zu bekommen. Dagegen bleibt der Imperator anders als in den anderen beiden Verfilmungen eher schwach. Sprach bei Teil 1 noch Pauls große Liebe Chani das Intro, übernimmt diesmal die Tochter des Imperators Irulan. Ein sehr schönes Stilmittel, wenn man das Ende der Geschichte kennt. Ansonsten hat Irulan schon in den Büchern die Rolle der Geschichtsschreiberin inne.

Der Cast ist weiter top. Endlich darf auch Zendaya als Chani mehr sein als nur eine Andeutung. Mir gefiel ihre Chemie mit Chalamet gut und nachvollziehbar. Neu dabei ist nicht nur Christopher Walken als Imperator Shaddam, sondern auch Florence Pugh als Irulan. Die Reihen der Harkonnen werden durch Austin Butler als Feyd-Rautha ergänzt und die Französin Léa Seydoux spielt eine weitere unterstützende Rolle. Einen netten Cameo hat Anya Taylor-Joy, die sich damit für eine Teilnahme an weiteren Filmen empfiehlt, sollte die Reihe fortgesetzt werden – es gibt ja noch fünf weitere Bücher von Herbert. Wieder dabei sind Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Javier Bardem, Josh Brolin, Dave Bautista und Stellan Skarsgård. Der Ton des Films bleibt trotz epischer Bilder sehr geerdet. Es sind wieder ein paar tolle Kulissen gefunden worden und wir kehren gegen Ende wieder nach Arrakeen zurück. Greig Fraser leistet hier erneut einen tollen Job als Director of Photography und die Musik von Hans Zimmer spielt groß auf mit einigen tollen neuen Themen, wie dem Liebesthema zwischen Paul und Chani.

Der Film steht gut für sich selbst, aber bringt sich klar in Stellung, gleich noch eine weitere Fortsetzung zu bekommen und die Trilogie voll zu machen. Das erste Buch ist zwar auserzählt, aber Pauls Geschichte geht mit Band 2 Der Herr des Wüstenplaneten direkt weiter. Zu wünschen wäre es dem Team, zeigt der Film eindrucksvoll, dass auch heute noch qualitativ hochwertige Filme mit viel Liebe zur Geschichte und ihren Charakteren erfolgreich sein können, die sich nicht vollends in CGI-Schlachten aufreiben, sondern uns direkt mitnehmen und in eine ganz fremde Welt entführen. Von mir eine klare Schau-Empfehlung! Wir sehen uns bitte unbedingt im Kino, denn das muss man gesehen haben, am besten auf der größten Leinwand, die Ihr finden könnt!

Ursprünglich veröffentlicht in VD aktuell #03 (Virtual Dimension).