Filmreviews · 03. Dezember 2004

The Manchurian Candidate

The Manchurian Candidate

Regie: Jonathan Demme

Ben Marco: Denzel Washington
Raymond Shaw: Liev Schreiber

Kurzinhalt:
Seit Ben Marco aus dem Golfkrieg zurück ist, wird er von Alpträumen und merkwürdigen Bildern verfolgt. Als er feststellt, dass er nicht der Einzige ist, sondern auch die Anderen aus seiner Einheit von diesen Bildern geplagt werden, stellt er Nachforschungen an und erfährt, dass einer seiner ehemaligen Untergebenen, Raymond Shaw, auf dem Weg ist, der neuen Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Als Marco in seinem Nacken auch noch ein merkwürdiges, kleines Gerät findet, stöbert er tiefer und stellt fest, dass ihm und seiner Einheit eine ganze Woche Erinnerungen fehlen. Was ist damals mit Ihnen geschehen? Was hat der Großkonzern Manchurian Global damit zu tun? Schneller als es Marco lieb ist, wird er Teil einer großen Regierungsverschwörung, die die Kontrolle über den Staatsapparat erringen will!

Kritik (Spoiler!):
Der Name Jonathan Demme stand einmal für spannendes Thriller-Kino. „Das Schweigen der Lämmer“ ist zu Recht heute noch ein Kultklassiker! Was er aber diesmal serviert ist äußerst schwer bekömmlich. Für einen Unterhaltungsfilm zu verworren, für einen Thriller zu unlogisch und zu konstruiert.

Der Plot: Fox Mulder würde sich im Grabe herum wälzen! Der wirre Plot endet in einem noch unlogischren Happy End. Und erst die Auflösung: Eine Mutter, die einen Pakt mit dem Teufel – in Form einer großen Rüstungsfirma – abschließt, um ihrem Sohn die Präsidentschaft zu sichern? Und dabei in Kauf nimmt, dass der Sohn dadurch nichts weiter als eine Marionette der Konzerne wird? Ein Plan der 10 Jahre lang vorbereitet wird und vor allem dieser ganze Aufwand, inklusive Kidnapping und Gehirnwäsche einer ganzen Spezialeinheit? Da mag am Ende auch das Happy End nicht wirklich trösten, wo dann der Proband, äh Vizepräsident, sich samt seiner machtgierigen Mutter in die Schussbahn des Scharfschützen stellt, der eigentlich den Präsidenten töten sollte.

Dazwischen wird langatmig die Story erzählt! Und der teuflische Großkonzern Manchurian, kommt kaum in der Handlung vor. Schlimmer noch, er lässt sich irgendwann von der Mutter des Vizepräsidentschaftskandidaten auch noch das Zepter aus der Hand nehmen! Und dass obwohl sich Manchurian Global angeblich seit Jahrzehnten bereits eine Vormachtstellung in der Politik sichert?

Wäre es am Ende nicht billiger und einfacher gewesen, einen Kandidaten zu schmieren! Mal ganz ehrlich, was hat der Drehbuchautor beim Schreiben nur geraucht? Muss ein tolles Kraut gewesen sein! Bei diesem Film hätten es keine 120 Minuten sein müssen, 100 hätten völlig gereicht.

Die Darsteller: Selten sieht man so eine tolle Cast versammelt, die allerdings ohne Chance bleibt, den Film noch zu retten!

Denzel Washington als Ben Marco. Eine gute Wahl, da er fast alles spielen kann. Nur leider schafft auch er es nicht, seinen Alter Ego Marco sympathisch erscheinen zu lassen. Vielmehr hat man recht bald das Bedürfnis ihn ganz tief wegzusperren. Und der Dreh am Schluss, dass Washington alias Marco auch noch Teil dieses ganzen Plans ist, kann nicht wirklich überraschen!

Meryl Streep darf diesmal so richtig böse sein und die egomanische, machthungrige Politik-Mutter mimen. Und irgendwie versucht sie sich ständig in den Vordergrund zu spielen… schwer zu sagen, ob hier das Drehbuch oder die Akteurin selbst gerissen hat.

Mit dabei auch Jon Voight. Der Veteran aus Filmen wie „Das Vermächtnis der Tempelritter“, „Pearl Harbour“ und „Mission Impossible“ darf einmal mehr nur schmückendes Beiwerk sein, schade, hatte er doch in „Staatsfeind Nr. 1“ bewiesen, wie schön fies er sein kann.

Liev Schreiber ist eine solide Besetzung. Er passt eigentlich recht gut auf die Rolle des Kandidaten Raynmond Shaw, wobei er ab und an, dann doch etwas zu steif ist. Dennoch, der ehemalige „Scream“-Unsympath ist noch einer der Glanzlichter des Films, darf er doch auch eine Menge Gefühl zeigen!

Einen halben Cameo darf auch der deutsche Charaktermime Bruno Ganz spielen. Der „verschrobene“ Delp hilft Marco bei der Analyse der Technik, die hinter der Gehirnwäsche und dem Masterplan steckt. Zwar sicher nicht so ruhmreich, wie sein gelungener Auftritt als Adorf Hitler, aber man merkt ihm den Spaß an der Rolle an, und vielleicht war das für ihn das Kontrastprogramm zum „Untergang“.

Aber es verstecken sich noch weitere bekannte Namen. So kennen wir Dean Stockwell, als mehr oder weniger hilfreiches Hologramm Al an der Seite des Zeitspringers Sam Beckett, alias Scott Bakula in „Zurück in die Vergangenheit“ (quantum leap). Hier darf er allerdings nur eine fast stumme Statistenrolle spielen, aber wie oben schon gesagt, die Chairmen von Manchurian Global, spielen in diesem Film eh nur eine Nebenrolle.

Fazit: Alles in Allem 120 Minuten Zeitverschwendung. Wen die Story doch interessiert: Das Ganze gibt es als Vorlageroman von Thriller-Bestseller Richard Condon oder als 1962 Verfilmung von Altmeister John Frankenheimer mit niemand geringerem as Frank Sinatra in der Rolle Marco’s. Demme, ab zum Nachsitzen!

Ursprünglich veröffentlicht auf alien-on-earth.de, geborgen aus der Wayback Machine.