Filmreviews · 10. Februar 2005

Resurrection of the Little Match Girl

Kurzinhalt:
Der Lieferjunge Ju will einmal ein großer professioneller Computerspieler werden, doch bis jetzt fühlt er sich wie ein großer Versager. Nichtmal die Frau seiner Träume traut er sich anzusprechen. Das alles ändert sich aber schlagartig, als er die Gelegenheit bekommt bei “Resurrection of the Little Match Girl”, dem VR-Spiel schlechthin, mitzuspielen. Die Aufgabe ist einfach … frei nach dem Märchen von Andersen, muss jeder Spieler das Mädchen mit den Zündhölzern (eben das Matchgirl) vor den anderen Mitspielern beschützen und in ihrem Todeskampf (wir erinnern uns, sie erfriert) ihre Liebe gewinnen. Doch bald stellt Ju das Spiel auf den Kopf und alle sind hinter ihm her und auch das Matchgirl ist plötzlich mit ihrer Rolle nicht mehr einverstanden und läuft Amok. Verwirrt? Das ist das Konzept des Films!

Kritik:
(mit leichten Spoilern)
Hinter “Resurrection of the Little Match Girl” steckt, wie der Name schon vermuten lässt, kein übliches Popcornkino, vielmehr stellt der Film den wohl schrägsten Beitrag des “Fantasy Filmfest 2003” dar. In 124 Minuten bekommt hauptsächlich die Matrix-Trilogie ihr Fett ab. Aber nicht nur Matrix, auch andere Genre-Vertreter wie “Avalon” oder auch die Leinwand Amazone Lara Croft in “Tomb Raider” werden kräftig durch den Kakao gezogen. Dabei arbeitet der Regisseur Sun-Woo Jang vor allem mit vielen stilistisch choreographierten Actionszenen und dem für Eastern-Filme typischen Humor. Dabei hat der Film am Ende sogar zwei Finale zu bieten … ein Bad- und ein Happy-End (frei nach Wayne’s World).

Die ersten 10 Minuten kommt man sich ein wenig fehl am Platz vor. Man bekommt in bester Schwarz-Weiß-Stummfilm-Manie noch einmal die Geschichte vom “Mädchen mit den Zündhölzern” erzählt. Dann folgt ein Teil, der ein wenig im heute trendigen Doku-Stil gedreht ist und dann finden wir uns letztendlich doch noch in einem futuristischen Actionreißer wieder.

Auch wenn - ähnlich wie bei Matrix - die Story zum Nachdenken einlädt, kann dieses schwere Folgeschäden mit sich ziehen. Vielmehr sollte man diesen Film als das sehen, was er ist, eine Actionkomödie. Der Film ist der bisher teuerste Koreanische Film, was aber verglichen mit Hollywood-Blockbustern nicht wirklich auffällt, wobei der Film unbestritten vor allem gegen Ende eine faszinierende Optik besitzt. Insgesamt beweist der Film hier eher B-Movie-Qualitäten.

Ein weiteres verwendetes Stilmittel ist die sehr überzeichnete Gewaltdarstellung des Films. Auch wenn sich diese in vielen Fällen auf das Herumspritzen von Kunstblut beschränkt und keine wirklichen harten Szenen beinhaltet. Mit dem Leben von Nebencharakteren wird trotzdem recht leger umgegangen.

“Resurrection of the Litte Match Girl” ist bereits der zwölfte Film des 1965 geborenen Regisseurs Sun-Woo Jang. Diese Erfahrung sieht man der sicheren Bildersprache des Films an. Auch an den Darstellern - alles junge unverbrauchte Gesichter - bemerkt man, dass das ganze Team sichtlich Spaß am drehen hatte, was den Charakteren sehr zu Gute kommt. Außerdem sieht man schön die Verwandlung des zuerst unsicheren und schüchternen Ju zu einem Actionhelden. Andere beliebte Motive sind aber auch zu finden: Wir haben Freundschaft, natürlich Liebe und die gute alte Ehre. Außerdem scheinen sich Asiatische Filme gerne hiesiger Märchen zu bedienen, wobei diese dann gerne verfremdet werden. Ein weiteres schönes Beispiel war auch der Anime-Film “Jin Roh” mit seiner alternativen Rotkäppchen-Fassung.

Fazit: “Resurrection of the Little Match Girl” ist vor allem Fans des Asiatischen Actionkinos sehr ans Herz zu legen. Jeder andere sollte den Film mit Vorsicht genießen, denn Chaos ist Programm und dem Film in all seinen Facetten zu folgen, ist denkbar schwierig. Außerdem gibt es diesen Film vorläufig nur in einer original koreanischen Synchro mit englischen Untertiteln. Er ist erstmal nur auf dem “Fantasy Filmfest 2003” zu sehen. [Anm.: Das Fantasy Filmfest ist vom 6.8. bis 13.8.2003 in Frankfurt und Köln, vom 13.8. bis 20.8.2003 in Berlin und Hamburg] Der geneigte Fan sollte auf jeden Fall diesen Film gesehen haben, jeder andere wird an der sehr verwirrenden Genre-Mix-Komödie wenig Freude haben und mit vielen schwebenden Fragezeichen das Kino wieder verlassen!

Resurrection of the Little Match Girl
[Sungnyangpali sonyeoui jaerim]

Regie - Sun-Woo Jang

Eun-kyeong Lim - Little Match Girl
Hyun-sung Kim - Ju
Jin-pyo Kim - Lee
Sing Jin - Lala

Ursprünglich veröffentlicht in der Filmwelt von SF-Radio.net, geborgen aus der Wayback Machine.