Filmreviews · 10. Februar 2005
Resident Evil: Apocalypse
Kurzinhalt:
Racoon City wird von einer Bande humpelnder, zuckender Gesellen, mit perversem Hang zu Frischfleisch, überfallen. Also muss die Stadt erstmal dicht gemacht werden! So rauft sich schnell eine Gruppe “Überlebender” zusammen, die verzweifelt einen Ausweg aus der Quarantäne sucht. Neben Alice, einem Versuchskaninchen der Umbrella Cooperation, und der Polizistin Jill Valantine, besteht die kleine Truppe noch aus L.J., dem Söldner Carlos Olivera der Reporterin Terri Morales und einigen weiteren so genannten “verzichtbaren Aktivposten”.
Zwar hatte Umbrella alle Wissenschaftler noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können, doch die Tochter des T-Virus Erfinders Dr. Ashcroft ist in all dem Chaos zurück geblieben. Also hackt sich der gute Doktor in die Überwachungs-Peripherie und offeriert unserer kleinen Gruppe einen Handel: Seine Tochter Angela gegen die Freiheit! Doch Umbrella will die Gunst der Stunde nutzen und setzt eine kleine Testreihe des Projekts Nemesis an, die auch so ihre Opfer fordert. Außerdem hat Sicherheitschef Major Cain seine ganz eigenen Pläne mit der Truppe!
Kritik:
2002 hauchten die Filme “28 Days Later” und “Resident Evil” einem tot geglaubten Genre neues Leben ein: Dem Zombiefilm. Allein “Resident Evil” spielte weltweit 110 Millionen Dollar ein und bewies damit, dass Horror durchaus Mainstream-kompatibel ist. Zwei Jahre danach versucht die Umbrella Cooperation erneut uns mit dem T-Virus zu infizieren. War es in Teil 1 ein Labor, wandelte man diesmal auf den Spuren von “Dawn of the Dead” und ließ eine ganze Stadt zombiefizieren. Waren es also im Vorgänger Schockeffekte und Klaustrophobie, weicht all das im neuen Film Aktion, einem Quentchen sehr trockenem Humor und noch mehr Untoten!
Dabei ist leider schon von Anfang an recht klar, wer überlebt und wen es erwischt. Außerdem weist die Story mehr Löcher auf als ein frisch gereifter Schweizer Käse. Woher weiß Jill Valentine schon von Anfang, dass es sich um Zombies handelt. So wird das Publikum direkt und nur mit einem kurzen Anfangskommentar von Alice in die Story geworfen! Zudem schafft es der Film nicht wirklich Angst einzujagen und das, obwohl unsere Helden diesmal gleich eine ganze Zombiearmee und einen irrsinnigen Konzern samt Privatarmee gegen sich haben.
So banal die Story in diesem Actionfilm auch ist, so klasse ist die Besetzung. So ist es einfach eine Freude zu sehen, wie die gute Milla Jovovich, mal wieder allen in den -piep- tritt, was sie ja bereits bei “Das Fünfte Element” eindrucksvoll getan hat. Außerdem stellt sie - neben einigen Archivaufnahmen von Eric Mabius - die einzige wirklich greifbare Verbindung zu Teil 1 her.
Neu dabei ist Sienna Guillory, die sich als Jill Valentine durch die Zombiehorden ballert. Für sie ist das auch die erste wirkliche Hauptrolle, war sie bis jetzt in Streifen wie “Time Machine” - kurz an der Seite von Guy Pearce - und dem Episodenfilm “Tatsächlich Liebe” zu sehen.
Aus der Versenkung aufgetaucht ist Oded Fehr als Olivera, den wir das letzte Mal bewusst in “Die Mumie” und “Die Mumie kehrt zurück” als behaart und bebarteten Ardeth Bay gesehen haben, wobei man ihn ohne das Wissen und genaues Mustern auch nicht wirklich wieder erkennt. Dafür darf er wieder einen sehr “physischen” Part übernehmen.
Und last but not least ist der britische Charaktermime Jared Harris - Sohn des leider schon verstorbenen Richard Harris - als Dr. Ashcroft dabei. Den kennen vielleicht einige noch als alter Will Robinson in dem Mainstream-Blockbuster “Lost in Space”: Danger, Will Robinson, Danger! Daneben spielte er in eher kleinen Filmen wie “Igby”, “Lulu on the Bridge” und “B.monkey”. Seine Rolle als an den Rollstuhl gefesselter Superwissenschaftler hat ihm sichtlich Spaß gemacht, vor allem wohl der Schluss, aber wir wollen ja nicht zu viel verraten.
Und einen Deutschen haben wir diesmal auch wieder. Durfte in Teil 1 Heike Makatsch kurz durch’s Bild laufen, darf Thomas Kretschmann uns diesmal fies den Major Cain geben! Ihn sieht man übrigens dieser Tage auch in “Der Untergang”, der Geschichte des Endes des Dritten Reichs.
Gedreht wurde “RE2” diesmal nicht in Berlin, sondern im kanadischen Toronto, wo einige Straßenzüge und vor allem das Rathaus zeitweise für die Dreharbeiten gesperrt wurden. Regisseur des ersten Teils, Paul Anderson, war diesmal nur noch der Schreiberling. Stattdessen durfte Second-Unit-Director Alexander Witt hinter die Kamera. Dass der vorher hauptsächlich Actionszenen großer Hollywood-Blockbuster in Szene gesetzt hat, sieht man von der ersten Minute an. Dass dabei sowohl die Story, als auch die Charaktere zu kurz kamen, ist bei einem Actionfilm a la “Resident Evil: Apocalypse” der übliche Kollateralschaden. So was haben wir ja gar nicht erwartet. Der Film setzt schon binnen der ersten zehn Minuten das komplette Setting und dann spielt er seine Stärke aus… atemlos jagt eine Actionsequenz die nächste und erst kurz vor dem Abspann nimmt er das Tempo leicht zurück. Und gerade wenn man denkt der Film ist zu Ende, geht er dann doch noch zehn Minuten weiter und präsentiert uns einen weitere Cliffhanger… naja, Teil III ist ja schon in der Pipeline!
Was vom Filme übrig blieb ist nette Unterhaltung, die man lieber nicht logisch hinterfragen sollte. Auch das Horrorelement können wir getrost streichen. Wenigstens die Action sieht gut aus und das ist ja bei einem Actionfilm die Hauptsache! Und wem die Schockeffekte in “Resident Evil” zu derb waren - wir erinnern uns hier an eine Cube-Gedenk-Szene - der kann auch beruhigt einschalten, bzw. Hirn abschalten und sich einfach unterhalten lassen! Fans des Computerspiels sollten auf aber wieder voll auf Ihre Kosten kommen, hingegen sollten Paul Anderson-Jünger lieber auf “Alien vs. Predator” warten, den er zur gleichen Zeit in Szene gesetzt hat. Wir zerfleischen uns im Kino…
Kino
“Resident Evil: Apocalypse” läuft ab dem 23. September 2004 im Kino.
Cast & Crew
Regie - Alexander Witt
Milla Jovovich - Alice
Sienna Guillory - Jill Valentine
Oded Fehr - Carlos Olivera
Thomas Kretschmann - Major Cain
Sophie Vavasseur - Angie Ashford
Ursprünglich veröffentlicht in der Filmwelt von SF-Radio.net, geborgen aus der Wayback Machine.