Filmreviews · 10. Februar 2005

King Arthur

Kurzinhalt:
Vergesst die Sage um das sagenumwobene Camelot: Jerry Bruckheimer und Antoine Foqua erzählen uns in guter alter Hollywoodmanie, wie es damals wirklich war! Dabei müssen der Zauber und die Magie, dem brachialen Kampf für die Gerechtigkeit weichen. Das fängt schon bei unserem Helden an. So ist Artus nicht mehr Sohn von Uther Pendragon und Lady Igrane, sondern halb Römer, halb Brite. Vom heiligen Römischen Reich nach Britannien gesandt. Ihm zur Seite stehen seine treuen Gefährten, Lancelot, Galahad, … Samaritische Kämpfer, die im Kindesalter ihren Eltern weggenommen wurden, als die Römer die Samariten besiegten. Sie sollten 15 Jahre im Dienste des Reiches bleiben. So wurden sie nach der Ausbildung Artus zur Seite gestellt.

Als die Geschichte beginnt, sind die 15 Frondienste fast beendet. Da will das heilige Römische Reich sie noch auf eine letzte Mission schicken. Die Sachsen drohen in England einzufallen und man will die letzten römischen Adeligen evakuieren. Dabei muss aber der Limes überschritten werden und die Gefahr besteht, den Sachsen vor die Lanzen und Beile zu geraten. Widerwillig nehmen die Ritter der Tafelrunde den Auftrag an, wissentlich, dass sie sich auf ein Himmelfahrtskommando eingelassen haben.

Der Weg nach Norden wird zum Grad der Entscheidung für Arthur. Er muss feststellen, dass seine naive Vorstellung vom schönen, zivilisierten Rom nur eine längst abgeblätterte Fassade ist. Merlin, der Anführer der Einheimischen und die befreite Gwynevere öffnen ihm letztendlich die Augen, wo er wirklich hin gehört. Am Ende steht eine Schlacht zwischen Arthurs Truppe und den Sachsen bevor und die Ritter der Tafelrunde müssen sich entscheiden, ob sie zu Arthur und seinen Idealen stehen oder lieber nach Hause zu Ihren Familien zurückkehren wollen.

Kritik:
“Was ist das?”, mag sich der geneigte Leser hier denken, schließlich bleibt außer den Namen der Beteiligten nichts mehr von der Sage von Camelot übrig. Ist das gut? Nun ja, das hängt sehr davon ab, mit welchen Erwartungen der Einzelne ins Kino gegangen ist. Wer die Wahrheit und nichts als die unumstößliche “historische” Wahrheit hören wollte, der fühlt sich derb vor den Kopf gestoßen! So soll das damals gewesen sein? Naja, sieht man mal von einigen auf archäologischen Funden basierenden Fakten ab, ist die Geschichte typisches Hollywood-Niveau, was eigentlich sehr schade ist.

Der Film ist viel zu sehr auf Mainstream und die Kinokassen fixiert, als dass wir hier wirklich eine Geschichtsstunde erwarten dürfen. Wer einen großen Aktionblockbuster erwartet, dürfte allerdings such nicht glücklich werden, schließlich vermag uns der Film nicht wirklich etwas Neues zu zeigen, haben wir doch seit “Herr der Ringe” erst eine perfekte Vorstellung von einem epischen Gefecht bekommen. Was uns bleibt ist nette Abendunterhaltung, über die wir nicht nach sinnieren müssen und die wir schnell wieder vergessen haben, schade, da wäre eigentlich mehr drin gewesen.

Die Besetzung ist ganz nett geworden, auch wenn wir hier einmal mehr Helden aus der zweiten Reihe serviert bekommen. Alleine vielleicht der Name Keira Knightley ist uns seit “Piraten der Karibik” ein Begriff. Leider darf sie hier einmal mehr Klischees darstellen und uns die “Xena”-Kriegerprinzessin geben. Die Hauptrolle des Arthur wurde unbekannt besetzt.

Clive Owen durfte sich bis jetzt nur in kleinen Produktionen versuchen. In “Die Bourne Identität” war er einer der Killer, die von Matt Damon ins Jeseits befördert wurden. Nur wer sich zur Zockergemeinde und da als “Wing Commander”-Fan outet hatte schon mal Gelegenheit, Clive Owen in Action zu erleben. Er gab in “Privateer II - The Darkening” die durchaus überzeugende Darstellung des Helden und das schon im Jahre 1996. Dass es bis 2004 zur ersten richtigen Hauptrolle gedauert hat, ist sehr schade und sicher wird “King Arthur” auch noch kein Durchbruch für den Charaktermimen sein.

Auf der Seite der bösen Sachsen sehen wir zuerst einmal Stellan Skarsgård, der einmal mehr seinen Job als Oberschurke überzeugend darstellt. Zu sehen war er in dieser Position z.B. in dem Nizza-Straßen-Flitzer “Ronin” an der Seite von Robert de Niro und Jean Reno. Außerdem durfte er ein kurzes Gaspiel in Renny Harlins Hai-Beißer “Deep Blue Sea” geben.

Der Regisseur Antoine Fuqua ist inzwischen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Zuletzt in “Training Day” durfte er die immer etwas schmutzig wirkenden Bilder inszenieren. Dieses Stilmittel kam auch viel bei “King Arthur” zum Einsatz. Leider rettet das den Film nicht wirklich, weißt er dann doch einige Lücken auf. So wird die Evolution von Arthur vom treuen Römer zum stolzen Briten nicht wirklich nachvollziehbar aufgeklärt.

Fazit: Ein Film der hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Schade eigentlich, so bleibt nur noch ganz ordentliche Hollywood-08/15-Plot-Unterhaltung übrig: Prädikat Nicht besonders Erinnerungswert.

Cast & Crew
Regie - Antoine Fuqua

Clive Owen - Arthur
Ioan Gruffudd - Lancelot
Mads Mikkelsen - Tristan
Joel Edgerton - Gawain
Hugh Dancy - Galahad
Ray Winstone - Bors
Ray Stevenson - Dagonet
Keira Knightley - Guinevere
Stephen Dillane - Merlin
Stellan Skarsgård - Cerdic
Til Schweiger - Cynric

Ursprünglich veröffentlicht in der Filmwelt von SF-Radio.net, geborgen aus der Wayback Machine.