Filmreviews · 10. Februar 2005
Kill Bill: Vol. 2
Mr. Tarantino is back. Mit “Kill Bill, Volume 2” zeigt er uns im zweiten Teil des Racheepos, dass er es richtig drauf und noch einige Überraschungen auf Lager hat. Statt brachialer Daueraktion kommt er uns stattdessen eher komisch, und das mit Gefühl! So hat dieser Film mehr von einem Beziehungsdrama, als von einem Kung-Fu-Eastern und Tarantino festigt seinen Ruf als Grenzgänger…
Kurzinhalt:
Wir erinnern uns: Die Braut, aka Black Mamba, aka (genial Uma Thurman) ist gerade dabei sich bei der “Deadly Viper Assassination Squad” zu rächen. So mussten in Teil 1 bereits O’Ren Ishi aka Cotton Mouth (Lucy Liu) und Vernita Green aka Copperhead dran glauben. Übrig blieben noch Budd, aka Sidewinder (Michael Madsen), der auch Bills Bruder ist, Elle Driver, aka California Mountain Snake (eine superfiese Darryl Hannah), und Mr. “Snake Charmer” himself, aka Bill, oder auch das Objekt der geplanten Tötung (perfekt besetzt mit Hollywood-Haudegen und “Kung Fu”-Legende David Carradine). Dass die Story sich nicht so einfach erzählen lässt, liegt mit Sicherheit an Tarantinos Vorliebe für nicht-lineare Erzählung und den damit verbundenen Schwierigkeiten, nicht zu viele Details zu verraten… Vielleicht nur einige Eckpunkte: Die Braut wird mit Ihrer tot geglaubten Tochter konfrontiert, wir erfahren, wo sie so kämpfen gelernt hat und dass Elle Driver ein ziemliches Miststück ist.
Kritik:
Irgendwie können wir ganz froh sein, dass Meister Tarantino aus “Kill Bill” zwei Filme gemacht hat, so Unterschiedliches ist am Ende herausgekommen. Setzt der erste Teil Akzente in besonders ausgefeilten Schwertduellen und Tötungen, so gibt es im anderen viel ruhigere Töne. Und am Schluss steht ein Ende, das wir so nicht wirklich erwarten konnten, denn dieser Film ist deutlich näher am Mainstream, als das Teil 1 gewesen ist. Er ist viel Dialog-lastiger, setzt noch ein ganzes Eck mehr auf Selbstironie und mehr auf ruhige Ästhetik. Es gibt zwar immer noch eine ganze Menge Aktion, schließlich wird das Leben von 2,5 Individuen beendet, der Film wirkt aber alles in allem überlegter. Und bei einer Lauflänge von unglaublichen 136 Minuten wollen wir gar nicht wissen, wie lang ein einziger Film gewesen wäre.
Die Musik ist wieder wohl eingesetzt, allerdings nicht ganz so Disco-orientiert wie im anderen Teil. Die Darsteller sind klasse besetzt und man merkt ihrem Spiel an, dass Sie Spaß am Dreh hatten. Kleiner Funny Fact am Rande: Gorden Liu, der im ersten Teil den Johnny Mo, den Anführer der “Crazy 88” gemimt hat, durfte eine zweite Rolle übernehmen. Er spielt auch den alten, fiesen Lehrmeister Pai Mei mit weißer Perücke und weißem Bart, wie frisch aus dem Eastern-Ei gepellt.
Wieder werden viele Zitate eingebracht und man kommt einfach nicht umhin zu schmunzeln, wenn Bill über Superhelden diskutiert und den Unterschied von Spiderman, Batman und Superman erklärt. Außerdem stellt der Zuseher fest, dass die Story doch ein wenig komplizierter ist, als man das in Teil 1 dachte. So wird genau beleuchtet, warum die Braut Bill verlassen hat, was genau in der “Two Pines Wedding Chapel” passiert ist, warum es doch wichtig ist, oft mal einfach miteinander zu sprechen und dass das Amerikanische Kinderprogramm auch nicht mehr das ist, was es mal war. Außerdem lernt man, wie man sich aus vergrabenen Särgen befreien kann. Trotzdem Tipp der Redaktion: Besser nicht nachmachen, es sei den, man nimmt vorher Unterricht bei Pai Mei!
Trotz aller Harmonie und Gelassenheit gibt es doch noch die eine oder andere eklige oder brutale Szene, also sollte man sich nicht zu sicher fühlen! Am Ende verlässt aber man mit einem entspannten Lächeln das Kino und ist überrascht, wie schnell doch 136 Minuten vorüber sein können…
Auffallend ist, dass der Film einen deutlich niedrigeren Body Count aufweist als der letzte Teil. Außerdem ist die Braut nicht mehr die einzige, die kräftig Leute um die Ecke bringt. Wer wissen will, ob jetzt Bill am Ende wirklich stirbt oder wie die Braut mit wirklichem Namen heißt (was ja einige Magazine in ihren Reviews schon verraten haben… Pfui!!!), der sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen! Sicher bleibt am Ende Eines: Das wird nicht die letzte Perle sein, die unser Filmjunkie Tarantino En Cinema präsentieren wird. Bleiben wir also gespannt.
Kino
“Kill Bill, Vol. 2” läuft seit dem 22.4.2004 in den deutschen Kinos.
Links
“Kill Bill, Vol. 1” Filmbericht.
Audio51 zum Film
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Cast & Crew
Regie - Quentin Tarantino
Uma Thurman - The Bride (a.k.a. Black Mamba)
David Carradine - Bill
Lucy Liu - O-Ren Ishii/Cottonmouth
Daryl Hannah - Elle Driver (a.k.a. California Mountain Snake)
Michael Madsen - Budd/Sidewinder
Gordon Liu - Johnny Mo/Pai Mei
Ursprünglich veröffentlicht in der Filmwelt von SF-Radio.net, geborgen aus der Wayback Machine.