Filmreviews · 24. Oktober 2005

Krieg der Welten

Krieg der Welten

Regie: Steven Spielberg
Musik: John Williams

Tom Cruise - Ray Ferrier
Dakota Fanning - Rachel
Justin Chatwin - Robbie
Tim Robbins - Harlan Ogilvy
Miranda Otto - Mary Ann

Kurzinhalt:
Eigentlich sollte der Hafenarbeiter Ray Ferrier nur für ein Wochenende auf seine Kinder aufpassen, doch als plötzlich riesige Roboter-Kolosse sprichwörtlich aus dem Boden schießen und die Welt und Ihre Bewohner zu Staub pulverisieren, beginnt eine atemlose Odysee jenseits aller Vorstellungen. Schnell wird Ihnen aber klar, das ihre Überlebenschancen gleich Null sind. Kann die Invasion noch aufgehalten werden?

Kritik:
Niemand hätte es für möglich gehalten, damals am Ende des 19. Jahrhunderts, dass wir vom Weltraum aus beobachtet wurden, wie man Bakterien unter einem Mikroskop untersucht…

Wir schreiben das Jahr 1999 als ein gewisser Roland Emmerich mehr oder weniger bewusst einen der Klassiker des SF-Genres verfilmte. “Independence Day” ließ eine Horde von Aliens der Menschheit mächtig in den Allerwertesten treten, und als es keine Hoffnung mehr gab Rettete ein Virus die Menschheit. Gut, der Virus war nicht wirklich physisch, sonder virtuell, aber die wichtigsten Storyelemente waren durchaus vertreten. Schon damals soll Steven Spielberg - das „Regiewunderkind“ schlecht hin - eine Adaption von H.G. Wells „Krieg der Welten“ gemacht haben wollen, doch das Projekt wurde vorerst wieder auf Eis gelegt. Währenddessen wurde “Independence Day” ein Kassenschlager und sollte noch Jahre später mit in der Top10 der weltweit erfolgreichsten Filme mitspielen, denn er traf die Amerikaner damals tief da, wo es richtig weh tut.

6 Jahre später steht nun auch Steven Spielberg in den Startlöchern. Zusammen mit Frauenschwarm Tom Cruise hat er sich viel vorgenommen! Dabei soll es wieder mächtig Knall und Boom machen, allerdings bleiben alle wichtigen Wahrzeichen Amerikas aus dem Spiel! Wie damals schon bei der 1953er “Krieg der Welten”-Verfilmung von Byron Hasking und dem Emmerich-Derivat verlegt er die Handlung der Story vom Victorianischen Londen um 1800 in die Welt von Heute.

Dabei steht allerdings Cruise-Charakter im Zentrum. Cruise, der sonst eher den Helden herauskehrt, darf dabei den gescheiterten Vater Ray Ferrier spielen, der von seiner Ex-Frau die Kinder fürs Wochenende aufs Auge gedrückt bekommt. Als dann aber ein plötzlicher Sturm gefolgt von einer Reihe seltsamer Blitzphänomene aufzieht, ist das mehr oder wenige beschauliche Familienidyll vorbei. Aus dem Boden entsteigt ein riesiger Kampfkoloss, der einen ganzen Straßenzug binnen Minuten dem Erdboden gleichmacht und die versammelte Menschheit zu Staub zapped. Mit dem letzten funktionierenden PKW flieht Ferrier im letzten Moment samt widerwilligen Sohn und klaustrophobischer Tochter vor der Gefahr. Die ungewissen Odyssee nach Boston zu seiner Ex-Frau und dem Rest der Familie hat aber erst begonnen und es bleibt den dreien kaum Zeit zum Verschnaufen. Eine riesige Armee außerirdischer Riesenroboter ist Ihnen auf den Fersen. Daneben müssen sie sich auch gegen den Rest der Menschheit behaupten, denn wie man es nicht anders erwarten kann, ist in der größten Not sich jeder selbst der nächste. Als dann die Invasoren anfangen, menschliches Blut als Dünger für die eingeschleppte Flora zu benützen scheint Ihr Schicksal besiegelt. Doch das hier wäre kein Spielberg-Popkorn-Film, wenn er so enden würde! So Düster dieser Streifen auch sein mag, das Ende zeigt sich wieder Spielberg-konform und das dürfte wohl auch der größte Kritikpunkt am ansonsten soliden Streifen sein.

So schön hoffnungslos das Setting auch sein mag, so fies die Aliens und so groß die Zerstörung, eigentlich haben wir nie wirklich Angst um unsere Helden, die auch den verwegensten Situation entkommen können. Daneben darf man auch nie vergessen, das man hier einen Popkornfilm vor sich hat, denn die Logiklöcher klaffen groß wie Scheunentore. So hält sich Master Spielberg auch sehr mit Erklärungen zurück! Er weiß warum! Aber immer hin besser, als pseudowissenschaftlicher Dünnpfiff mancher anderer Genregenossen. Schafft man es allerdings, sich trotz allem auf den Film einzulassen, kann er durchaus dem geneigten Zuschauer gehörig Angst einjagen, denn wie zu erwarten, sehen die Effekte noch ein ganzes Eck besser aus, als zu den guten alten ID4-Zeiten und wo Emmerich gerne flotte Sprüche und Humor einstreute bleibt Spielberg bierernst.

Fazit:
Spielberg zeigt eine neue Fassette und doch bleibt alles beim Alten. Mächtiger Badaboom, eine gehörige Portion Emotion, ein Schuss Kitsch - gerade gegen Ende - und eine große Ladung Popkorn. Sicher ein Film für einen unterhaltsamen, kurzweiligen und anspruchslosen Kinoabend. Die Optik gewohnt toll, die Score von John Williams stimmig, wenn auch ohne Highlights, und die Darsteller gut gewählt. Dennoch kein Film, der lange im Gedächtnis bleiben wird, den die Sommer-Blockbuster-Flut hat ja eben erst begonnen… Spielberg, Nachsitzen!

Ursprünglich veröffentlicht auf alien-on-earth.de, geborgen aus der Wayback Machine.