Sonstiges · 24. Oktober 2005

chapter 1 - rude awakening

chapter 1 - rude awakening

…und ich schwebte zwischen den Sphären wie ein Vogel am Himmel. Unter mir wunderschöne grüne Panoramen und langsam senkte sich die Sonne herab und tauchte die Wolken in ein unwirkliches feuerrot. Alles hätte so schön bleiben können wäre da nicht … ja dieses merkwürdige Surren, was da von halb rechts kam. Aber da war doch nichts, oder? Das Surren wurde lauter, als schien es mir mit Nachdruck etwas sagen zu wollen … aber was? Für einen Moment war ich abgelängt, verlor die Kontrolle und stürzte mit einer unglaublichen Geschwindigkeit in Richtung Boden und gerade als ich auf dem Boden aufschlagen sollte, machte ich die Augen auf und es war plötzlich stockfinster um mich herum … als hätte jemand die Realität um mich ausgeschaltet.Doch dann wurde ich von selbiger eingeholt. Verdammte VR, dachte ich, als ich bemerkte, dass es mein Telefon war, was da so ungeduldig meine Simulation gestört hatte.

Und dann war ich plötzlich voll da und stand neben meinem Bett, mich verzweifelt nach meinem Telefon umschauend … Oh Du elendes Mistteil, wo steckst, Du nur! Auf einmal blieb mein Fuß an etwas hängen und ich stürzte unsanft auf einen Haufen Unterlagen. Ich hatte mein Telefon wohl gefunden. Der Hörer lag jetzt daneben und ich hörte eine von ferne flüsternde Stimme: “Hallo? Jemand da?” - Ich ergriff den Hörer, räusperte mich kurz und flötete in den Hörer: “Joseph Ford Private Ermittlungen?”

“Ford, wo bist Du denn? Wir wollten uns doch vor einer halben Stunde im Docks treffen? Verdammt noch mal es ist lebenswichtig!”, die Stimme am anderen Hörer klang verärgert, und das wohl zu Recht!Der Mann am anderen Ende war Parker Berenger, ein alter Freund von mir.Nachdem ich damals von der Uni geflogen war, verloren wir uns aus den Augen.Gestern rief er dann unvermittelt an, um bat mich um ein Treffen. Es ginge um Leben und Tod. Der alte Parker war schon jeher für seine Übertreibungen bekannt, aber diesmal schien es ihm wirklich ernst zusein. Er sagte gestern nur, dass es wohl irgendwas mit seinem Job zu tun hatte, wollte aber keine Details am Telefon verraten. Spätestens jetzt war ich hell wach! “Hör mal”, versuchte ich mich zu Entschuldigen, “ich wurde aufgehalten, ich…” - “Mensch Joe, immer noch der alte … Bitte es ist dringend ich warte hier, okay?” - “Klar doch! Ich bin in 10 Minuten bei Dir!”, nicht nur das er mich hatte nicht ausreden lassen, er hatte schon aufgelegt. Ich glaube so aufgeregt hatte ich Ihn das letzte Mal erlebt, als wir versuchten das Uni-Maskottchen von Cambridge zu stehlen … das waren noch Zeiten … ich tastete mich jetzt langsam zum Lichtschalter und mit einem mal war der Raum hellerleuchtet. Meine beiden Halogenspots enthüllten ein Bild der Verwüstung! Wenn ich _nicht genau gewusst hätte, das ich dafür verantwortlich gewesen war, hätte ich vermutetet eine Bombe sein eingeschlagen… Ordnung war wohl nie mein Fachgebiet. Schnell holte ich aus dem Schrank ein frisches Shirt, zog ein weißes Hemd darüber, schnappte mir eine Krawatte und meine Hose vom Stuhl und angelte während des Anziehens nach meinem Sakko, Trenchcoat und den Boggie-Hut. Und war schon aus dem Raum.

Das „Docks“ war keine drei Blocks weit entfernt, allerdings war ich nicht mehr in Bestform. Da ich ihn nicht noch viel länger warten lassen wollte. Mann, war ich außer Form …_

Parker Berenger saß nervös am Tresen und sah auf seine Uhr. Es war jetzt 5 Minuten her, dass er seinen Freund angerufen hatte. Das dieser nie pünktlich sein konnte hatte ihn schon immer geärgert. Er war selbst zu seiner Semesterabschlussprüfung zu spät gekommen. Noch ein Schluck von seinem Bier und plötzlich spürte er einen heißen Atemstoß im Nacken. Er wollte sich umdrehen, doch dann schob sich ein Spitzer Gegenstand in den Rücken und eine Stimme flüsterte ihm ins Ohr: „Mr. Berenger, wir wollen doch keinen Ärger machen, oder?“ – Die Stimme war kratzig und kalt und Parker irgendwie bekannt. Sein Puls schnellte in die Höhe und Schweiß begann seine Wangen herunter zu rinnen. Dann floss das Adrenalin in Strömen und er reagierte Blitzschnell. Er packe sein Bierglas und drehte sich auf dem Absatz. Der Mann hinter ihm wurde voll vom Schwung des Glases erwischt und zu Boden geschleudert. Tom nutze die kurze Benommenheit des Angreifers aus und rannte los. Dabei stieß er einige Gäste unsanft, um doch es war ihm egal, jetzt war ihm alles egal, denn es ging um sein Leben. Kaum war er aus der Kneipe, schlug er einen Haken und rannte in eine enge Gasse. Von weitem hörte er einen startenden Motor. Er rannte was seine Beine hergaben. Jetzt bemerkte er, wie sich die Lichtkegel von Scheinwerfern eines Wagens über ihn legten, er hörte quietschende Reifen und wurde er umgerissen. Wie in Zeitlupe flog er durch die Luft, wurde herum gewirbelt, kam unsanft auf dem Asphalt auf und rutschte, bzw. rollte noch einige Zentimeter weiter. Dann nichts mehr…

Seitenstechen, dass hatte mir gerade noch gefehlt, dass verlangsamte mich noch mehr und dann brannten meine Lungen. Ich war gezwungen stehen zu bleiben, um kurz zu verschnaufen. Aus den Augenwinkeln sah ich einen dunklen Transporter, der seine Scheinwerfer aufgeblendet hatte. Idiot, dachte ich noch, dann aber sah ich, wie zwei Männer hinter dem Wagen etwas aufhoben und auf die Ladefläche warfen. Mann, dass sah doch verdächtig nach menschlichem Körper aus. Mit letzten Reserven nahm ich die letzten Meter im Sprint. Ich kam am Wagen an, als einer der Männer gerade die Laderaumtür zu warf. Beide Männer waren in dunkle Mäntel gekleidet und trugen genausolche Brillen. Noch bevor ich ein Wort sagen konnte zog der eine seine Waffe, zielte in meine Richtung und feuerte mehrere Schuss ab. Ich schaffte es gerade noch mich hinter einen Haufen Kisten zu werfen und dem Kugelhagel zu entgehen. Mit durchdrehenden Reifen hörte ich noch, wie der Wagen beschleunigte, doch bevor ich wieder auf den Beiden war, war er bereits um die nächste Ecke. Ich verfluchte mich selber, dass ich nicht auf das Nummernschild geachtet hatte, dabei hätte ich als Pro das eigentlich als erstes Machen müssen. Anscheinend war ich noch nicht ganz wach. Auch wenn diese Aktion eigentlich alles andere unauffällige abgelaufen war, hatte keiner der vielen Passanten an diesem Abend darauf reagiert, so etwas war in Nova York leider an der Tagesordnung! Nun ja, zerknirscht lief ich zum Eingang der Kneipe rüber, um meine Verabredung zu treffen. Unser Telefonat war jetzt sieben Minuten her. Mann war ich gut! Ich betrat die Spelunke durch den Hintereingang - nur Touristen und Polizisten kamen hier von vorne herein – und taxierte den Raum mit meinen Blicken. Nun ja, von Parker war nichts zusehen. Mit schlenderndem Schritt lenke ich meine Füße in Richtung Bar und versuchte mir möglichst nicht meine unglaublichen Anstrengungen von vorhin anmerken zu lassen – ich versagte auf der ganzen Linien. Mein Atem ging schwer wie der eines Walrosses und ich beschloss mir erst mal einen Drink an der Bar zu genehmigen. Ja der Laden wirkte leicht herunter gekommen und doch verkehrte hier noch größtenteils annehmbares Publikum. Außerdem war die Drinks nicht gepanscht und annährend noch bezahlbar. Als ich mich gerade auf einen der leerstehenden Barhocker setzen wollte viel mir ein zerbrochener Tisch auf, dessen Tischplatte an der rechten Wand lehnte. Ich warf dem Barkeeper einen Blick zu und orderte ein Foster – nicht das beste Bier, aber auf der hiesigen Karte noch das preiswerteste. Ed, der Wirt klatschte mir ein Bier auf den Tisch und streckte mir die geöffnete Hand entgegen. Ich ignorierte die Geste. Ärgerlich sah er mich an und legte seine massige Hand an das Glas. Der hätte problemlos als Türsteher durchgehen können, dachte ich mir. „Bei mir wird gleich bezahlt, Freundchen!“, er musterte mich säuerlich. „Was ist denn heute hier los, kein Vertrauen in Stammgäste mehr?“, mit einem Mal schien er wieder einen Gang runter geschaltet zu haben. „Sorry, Joe! Zum einen schuldest Du mir noch 20 Kredite, zum anderen war gerade ein geleckter Affe da, der randaliert hat und danach aus der Kneipe gerannt ist, als sei der Leibhaftige hinter ihm her … ohne zu bezahlen! Wenn ich den in die Finger kriege!“ – „Komm schon Ed“, dann fiel es mir wir Schuppen von den Augen, „Moment mal, wie sagst Du hat der Typ ausgesehen?“ …und diese Beschreibung, die mir Ed jetzt gab, passte erschreckend auf meinen alten Freund Parker Berenger! Ein Handgemenge an der Bar, eine Flucht aus selbiger und eben diese Typen die einen Mann in Ihr Auto zerrten. Ich fluchte innerlich. Wäre ich pünktlich hier gewesen, hätte ich wenigstens erfahren können, was Parker denn so dringendes von mir wollte … und jetzt würde ich Ihn wahrscheinlich nie wieder sehen. Nachdem ich meinen Drink bezahlt hatte – gut Eds Mörderpranke mag Ihren Teil dazu beigetragen haben – verließ ich die Bar und nahm den Tatort der Entführung etwas näher in Augenschein. Mhhh, ein guter Detektiv hat immer seine Ausrüstung zur Spurensicherung dabei! Vielleicht sollte ich meines einfach schnell aus der Wohnung holen? Ich entschied mich dagegen und versuchte in meinem Kopf zu rekonstruieren, was da eben passiert war. Vielleicht hat Parker jemanden in der Bar gesehen, der ihm gefolgt war. Darauf hin hatte er versucht ihm in einem Handgemenge zu entkommen, um dann kurz danach einem Schlägertrupp des selben Vereins zu begegnen. Und die haben ihn dann erst mal eingesackt! Gut kombiniert, Sherlock! Blieben nur noch die Fragen nach dem Wer und dem Warum! Nachdem ich leider keine weiteren Spuren finden konnte beschloss ich den Fall auf den nächsten Tag zu vertagen. Frustriert schlürfte ich nach Hause, wo ich in einen unruhigen Alptraumhaften Schlaf fiel…

Ursprünglich veröffentlicht auf alien-on-earth.de, geborgen aus der Wayback Machine.